FeedBiber, Castor
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Biber, Castor, Es giebt Land- und Wasser-Biber. Die erstern machen ihre Löcher in die Erde, wie die Füchse, und kommen nur ins Wasser, wenn sie trincken wollen, sind sonst an Gestalt den Wasser-Bibern gleich, ausser daß sie, wegen ihres Ein- und Auskriechens in die Löcher, am Bauche und auf dem Rücken halbabgestossenes Haar haben; sie sind von den Wasser-Bibern ihrer Faulheit wegen ausgejagt worden, und werden auch Faullentzer genennet. Man findet sie zwar in Deutschland, aber nur wenig, in Nord-America aber sind sie in solcher Menge, daß auch in einem Jahre derselben auf 18000 gefangen werden. Ein grosser Biber ist 26 Zoll lang von dem Halse bis an den Schwantz, um den Leib 3 Schuh 8 Zoll dick, der Kopf ist 7 Zoll lang und 6 breit, der Schwantz 14 Zoll lang und 6 breit, in der Mitten 1 Zoll und 2 Linien dicke, an Gestalt länglichtrund, mit harten Schupen bedeckt, auf welchem er Erde, Koth und andere Materialien zusammen schleppet, seine Hütten auf dem Wasser zu bauen; die Ohren sind kurtz, rund und tieff; die Schenckel 5 Zoll, die Pfoten viertehalb Zoll, von der Ferse bis an die Spitze der grossen Zehe, die Füsse 6 Zoll 8 Linien lang; die Pfoten stehen fast wie Menschen-Hände, er braucht sie zum Essen wie ein Affe; die 5 Klauen an den Hinter-Füssen sind mit einem Häutlein; wie an den Enten, zusammen gefügt, an den vordern aber offen: die Augen sind sehr klein, als Ratzen-Augen; vorn am Maule hat er oben 2 und unten 2 grosse scharschneidende Zähne 1 Zoll lang und ein Viertel-Zoll breit, womit sie dicke Bäume zu ihrem Bau umhauen, die Fische erhaschen und sich wider andere Thiere wehren. Es hat gedoppelt Haar, das eine lang, schwärtzlich, gläntzend, dicke, das ander zart, gelind und zu Winters-Zeit 15 Linien lang. Eines solchen Bibers Haut wieget 2 Pfund, das Fleisch ist im Sommer und Herbste gut, muß aber wohl gebraten werden; der Schwantz ist das delicateste. Aus den kurtzen Haaren werden die Castor-Hüte und Strümpfe verfertiget. Das Castoreum oder sogenannte Biber Geil brauchet der Biber zu Glättung seiner Zähne, wenn er in was hartziges gebissen, träget es von Natur in einem Säcklein, ist nicht die Hode oder Geile des Bibers, wie es die meisten Naturalisten irrig dafür halten. Die weissen Biber machet die Seltenheit schätzbar, massen ihm die Haare weder so lang, noch so zart sind, als der ordinairen; sie sind eben so rar als die völlig schwartzen. Die röthlichen sind schlimm, und fallen die Jäger an, die schwartzen aber fliehen vor ihnen. Jhre Nahrung bestehet in Rinden von Weiden, Pappeln, Erlen und dergleichen Wasser-Gehöltze, welches sich gerne schälen lässet, ingleichen in Fischen. Das Weiblein gehet 16 Wochen dicke, und setzet im May auf einmahl 3 bis 4 Jungen, so sie nach Art anderer vierfüßigen Thiere eine Zeitlang zu säugen pfleget. Sie kommen blind auf die Welt, und wenn sie etwa einen Monat alt, bringen ihnen die Alten kleine Aestlein von Weiden, daran lernen sie die Rinde schälen und Laub beissen; nach 5 bis 6 Wochen gehen sie schon mit den Alten durchs Wasser nach dem Lande; dann hauen ihnen die alten Pappeln und Weiden um, setzen sich mit ihnen in die Aeste, und ässen sich nach Gefallen. Gegen den Winter tragen sie sich von den schwartzen Pappeln ein in ihr Geschleiffe oder Bau, damit sie, wenn sie wegen Eises nicht heraus können, zu leben haben. Sie sollen sich auch zähmen lassen. Jhre Jungen lieben sie sehr, und sollen dieselben wie die Kinder winseln und saugen. Sonsten ist des Bibers Fährte an den vördern Füssen gleich einem Hunde, doch flacher, die hintern Füsse aber gleichen einer Gans oder Schwane. Jhr Feind ist der Fisch-Otter, doch kan ein Biber mit seinem Schwantze und Zähnen 3 Fisch-Otter überwinden. Und weil sie von den Menschen verfolget werden, gehen sie nicht leicht über 20 Schritte von dem Teiche, wo sie ihren Bau haben. Wenn sie auf dem Trockenen Bäume fällen, stellen sie Schildwachen aus, welche ihnen mit Schreyen ein Zeichen geben, daß sich Menschen oder Thiere nähern, worauf sie ins Wasser zu ihren Hölen eilen. Jn America werden sie, wenn sie auf dem Lande sind, geschossen, oder mit Netzen unter dem Eise, auf dem Lande lauffend und im Wasser schwimmend, gefangen; den Land-Bibern stellet man Fallen, da sie mit rothen Pappeln geködert werden. Oder sie lassen die Teiche, worinnen Biberbaue sind, ablauffen, und schiessen sie sodenn. Bey uns bedienet man sich der Netze, und gehören sie zur hohen Jagd.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 163–166Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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