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Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Brand, Jst ein Kennzeichen, so in berühmten Stutereyen den Füllen an einem von den hintern Bügen gemacht, und entweder mit einem heissen Eisen gebrennet, oder aber mit Scheide-Wasser oder einer andern scharffen Materie geätzet wird, damit man daran erkennen könne, in welchem Gestüte sie gefallen und erzogen worden. Die Zeit, wenn der Brand soll vorgenommen werden, ist am besten im dritten Jahr, damit ein Pferd noch ein Jahr darauf auf der Weide gehe. Daß der Brand von dem kühlen Morgen- und Abend-Thau desto lieber und schöner heile; mag man sie also gleich zuvor zeichnen, ehe man sie will auf die Weide lassen. So bald das heisse Eisen den Brand gethan hat, muß man den Schaden mit reinem Baumöl wohl salben, welches der Brand, wenn er noch warm ist, fein annimmet, und nicht weiter um sich frisset; es schälet sich auch die Haut desto eher von dem Fleische, und fällt selbst davon ab, das Fleisch bleibet gar schön rein und frisch, und wächset eine andere Haut, so keine Haare wieder träget, an deren stat. Einen Brand ohne Feuer zu machen, und das Zeichen nur einzuätzen, geschiehet also: Erstlich machet man das Zeichen mit Kreide auf einem höltzernen Teller, oder sonst glattem Holtze, daß die Kreide ziemlich dicke daran sey, drucket es hernach dem Pferde auf den Ort, wo das Zeichen hinkommen soll, so wird sich die Kreide anlegen; wäre es aber ein Schimmel, so müste das Zeichen mit schwartzer Farbe auf das Bret oder Teller gemachet werden: Wenn nun das Zeichen kenntlich ist, so nimmt man ein scharfes Scheerlein, schneidet die Haare, darauf das Zeichen ist, subtil heraus, und streichet mit einer Feder etwas von Scheide-Wasser darauf, so gehen die Haare aus, und siehet einem Brand gleich. Jn dem Oldenburgischen werden die Pferde also gezeichnet: Erstlich wird weisser Vitriol und Alaun, iedes ein Pfund, des reinesten Salpeters ein halb Pfund auf heissen Sand gesetzet, und durch das Balneum Mariæ destilliret. Wenn man nun dem Roß ein Zeichen brennen will, muß mans so groß der Brand seyn soll, mit einem Scheermesser wegscheeren; wenn nun der vorhero mit einer Kreide beschehenen Zeichnung nach, das Haar weggeschoren, tunckt man hernach einen Pinsel in obgedachte übergezogene Materie, und fähret der Zeichnung nach, so wird das Zeichen schön und wohl sichtig werden, auch kein Haar mehr an selbigem Orte wachsen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 202–203Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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