FeedConnil, Caninichen
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Connil, Caninichen, Sonsten auch Killen, Hasen-Königlein, oder Hasen-Küllen genannt, ist ein kleines vierfüßiges Thier, in der Grösse eines kleinen Hasens, deme es ziemlicher massen gleich kommt, welches lange Ohren und einen kurtzen Schwantz hat, blind auf die Welt kommet, von Farben aber gantz weiß, grau, sprencklicht oder schwärtzlich ist. Es wird dieses Thierlein hier zu Lande nicht in so grosser Menge, als in denen Clevischen Landen, in Brabant, Franckreich und Engelland angetroffen, da sie in besondern Gehägen, so die Frantzosen Garennes nennen, gehalten werden. Man hat zweyerley Arten derselben, nemlich wilde, worunter auch die in Gehägen oder Garennen eingeschlossene gezehlet werden, und zahme oder Haus-Caninichen. Beyde haben die Art an sich, daß sie sich in die Erde vergraben, und darinnen ihren Bau oder Lager machen, wiewohl jene, die Wilden von ungleich besserm Geschmack, auch ohnstreitig gesünder sind, als diese, nemlich die zahmen. Dieses Thier thut, wo es hinkommen kan, einen unglaublichen Schaden, in allerhand Getraide, absonderlich aber in Gärten und Weinbergen, doch hat es auch wieder seine Feinde an Schlangen, Dachsen, Füchsen, zahmen und wilden Katzen, Hunden etc. Die Caninichen fangen an zu hecken, wenn sie sechs Monat alt sind, und vermehren sich ungemein, indeme sie alle vier Wochen 5 bis 6 Junge setzen. Die wilden werden mit Drat-Schlingen, mit der Lausche, mit Sackgarnen, durch Hülffe eines Fröttels, und sonsten auf andere Arten mehr gefangen. Man pfleget sie zu fricaßiren, zu braten, oder ein Ragout davon zu machen. Jhre gar gemachte Felle aber dienen zu mancherley Rauch-Futter und Aufschlägen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 401–402Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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