FeedFüllen-Stall
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Füllen-Stall, Jst bey einer Land-Wirthschafft ein nothwendiges Gebäude, worein die von ihren Müttern abgenommene Fohlen gestellet, und bis man sie zum Gebrauch dienlich und tüchtig befindet, von den andern Pferden abgesondert erhalten werden. Wo eine starcke Fohlen-Zucht ist, hat man gemeiniglich dreyerley Fohlen-Ställe. Der vor die nur abgesetzten Fohlen soll mit breiten Kiesel- oder Pflaster-Steinen durch und durch wohl gepflastert, oder mit Eichen-Holtz beleget und ausgeschalet, auch weit und geraumig, aber mit keinen Ständen versehen seyn: Denn wenn die Fohlen tapffer darinnen herum springen, und sich wacker tummeln können, so kommt es ihnen am Wachsthum wieder ein; dahingegen dieselben, wenn sie enge wohnen, und gleichsam wie die Gänse eingesperret würden, am Wachsthum auch nicht fortkommen können, sondern verbutten müssen. Die engen und kleinen Ställe halten sich auch zu warm, und sind dahero, weil sie die zarten Fohlen zu einem ihnen nachtheiligen Schweiß treiben, gar nichts nütze. Die Rauffen und Krippen sollen, der Fohlen-Statur gemäß, niedrig gesetzt seyn, damit sie Heu und Futter beqvem erreichen können. Für die zweyjährigen Fohlen gehöret ein etwas weiterer Raum, und auch etwas erhabenere Krippen und Rauffen. Denen dreyjährigen aber giebt man einen Stall wie den ältern Pfetden. Uiberhaupt aber wollen alle diese drey Arten reine gehalten, fleißig ausgemistet, und von allem Unrath und Gestäncke gesäubert seyn, als welches denen Fohlen ungemein vorträglich fället, dahingegen der böse Dampff vom Mist diesen jungen Thieren gar barde Schaden am Gesichte zufüget. Anderer daraus entspringender Nachtheile allhier zu geschweigen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 859–860Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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