Meyland, Eine überaus grosse und gewaltige Stadt, dem Römischen Kayser gehörig, in der Lombardey, zwischen zwey Flüssen, Adda und Ticino; hat gewaltige Pasteyen, und die Mauren sind 24 Schuh breit und 64 hoch, in ihrem Bezirck aber bey 10 welsche Meilen, dahero bey 50000 bewehrter Mannschafft zur Besatzung soll erfordert werden. Es hat dreyfache Gräben, die sehr tief sind, und unterschiedliche Flüsse darein kommen. Auf den Pasteyen stehet eine grosse Menge von Stücken: und dieses grosse Werck ist rings herum mit Mauren alla Moderna befestiget, und hat 17 Pasteyen. Es hat ein vortrefliches Zeughaus, welches sehr groß ist, und mit unzehliger Rüstung angefüllet. Das Feld um Meyland ist überaus lustig, und siehet gleichsam einem Paradies-Garten gleich. Es wachsen allda die schönsten Früchte, als Feigen, Granat-Aepffel, Qvitten, Maulbeere, Pfersinge, köstliche Weintrauben etc. Des Ertz-Bischoffs Pallast ist ein Fürstl. Gebäu von lauter Qvater-Stücken, darinn insonderheit ein kunstreicher Schnecken oder Treppe gesehen wird, dergleichen in Jtalien nicht zu finden. Der Gouverneur wohnet auch in einem prächtigen und grossen Pallast, und warten ihm 80 Deutsche Trabanten auf. Ferner sind allhier zu besichtigen, der grosse Dom, welcher 500 Schritte lang und 200 breit, auswendig gar zierlich von Marmorstein. Er hat viel köstliche Altäre, und zwey gantze Orgeln, deren Blasbälge werden nicht wahrgenommen, sondern unter den Kirch-Boden also zugerichtet, daß der Wind durch sonderbare Schläuche hinaufzusteigen pfleget. Der Thurm ist so hoch, daß man die gantze Stadt übersehen kan. Man findet hier unzehlig viel Statuen. Der Chor ist gantz getäfelt, und darinnen das Leiden Christi in Holtz auf das allerkünstlichste geschnitzet und fürgebildet. Die Historien des Neuen Testaments sind in 60 Qvadraten vorgebildet. Man siehet daselbst das Begräbniß des heiligen Caroli in einem güldenen Schrancke. S. Maria di S. Celso, ist unter den vielen Kirchen die schönste in Meyland, in welcher das Pflaster von Marmor als wie ein Spiegel gläntzet. Auch werden viel künstliche Altäre gesehen. S. Sebastiano, so gantz rund wie eine heydnische Capelle aussiehet. Allhier befinden sich 17 Parochien, 30 Conventi di Fratti und 8 di Preti Regulari, 36 Monasteri di Monache, 38 Confraterni und also 238 Kirchen, samt noch 120 Schulen. Das Hospital ist ein grosses viereckigtes Gebäu, dergleichen in gantz Jtalien nicht zu finden. Es soll 90000 Cronen jährliches Einkommen haben. Die Reitschule ist vor dem Schloß, allwo täglich Exercitia gehalten werden. Es ist auch zu besichtigen die unvergleichliche Kunst-Kammer, welche einem hochgelehrten Canonico Manfredo Settala zuständig ist. Diese Kunst-Kammer hält in sich so viel Raritäten, daß einer kaum solche innerhalb 8 Tagen durchsehen kan. Es werden unter andern auch verschiedene schöne und gar wunderliche Spiegel gezeiget. So ist auch die Bibliotheca Ambrosiana, welche von 40000 Stücken bestehet, sehens werth. Zwey Meilen von der Stadt liegt des Marckgrafen di Sonetta Lusthaus, woselbst ein Echo die letzte Sylbe eines Worts mehr als 40mal wiederholet. Sonsten soll Meyland jährlich 800000 Cronen Einkommens haben. Von dieser Haupt-Stadt hat den Nahmen das Hertzogthum Meyland, welches ein Lehn des Heil. R. Reichs, dennoch aber von Kayser Carolo V an seinen Sohn Philippum II überlassen worden, von welcher Zeit an es die Könige von Spanien beständig besessen. Jn dem Spanischen Succeßions-Kriege eroberten es die Kayserl. und hat es Kayser Carolus VI im Besitz gehabt, und ob es gleich im letzten Kriege verlohren gieng, ward es demselben doch durch die Præliminaria 1735 wieder eingeräumet, ausser daß an den König von Sardinien Tortonese und Novarese muste überlassen werden. s. Zeitungs-Lexicon. Das Wappen dieses Hertzogthums ist eine blaue dreymahl gekrümmte Schlange, mit einem rothen Kinde im Rachen; welches Wappen Burggraf Otto von Meyland im Jahr 1100 von einem Riesen-mäßigen Saracenen, Polux genannt, der dergleichen Schlange auf seinem Helme geführet, und den er erschlagen, soll angenommen haben.