FeedDiesis, Δίεσις
Recht & StaatRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Diesis, Δίεσις, Damit deuteten die Pythagoräer ihr in proportione 256-243 bestehendes Semitonium, als H-c und e-f, in der diatonischen Scala an. Nachgehends hat man auch das Jntervall, so noch kleiner als das Semitonium ist, also genennet. Heutiges Tages bedeutet Diesis eine Erhöhung der Note über ihren sonst natürlichen Sitz, auf einer Linie oder in einem Spatio, welche durch folgende 2 Zeichen, die eben Dieses heissen, auf zweyerley Art geschiehet, als 1) wenn eine Note um ein Semitonium minus soll erhöhet werden, z. E. das f ins fis, brauchet man das doppelte Creutz, welches aus 2 perpendicularen und 2 horizontalen gerade durch jene gezogenen Strichen bestehet, weil dergleichen Jntervall auch beynahe aus 4 Commatibus bestehen soll, und heisset Diesis chromatica und duplex; einige nennen es auch b cancellatum und signum cancellatum, das gegitterte b und Zeichen. 2) Wenn eine Note um die Helffte eines Semitonii minoris erhöhet werden soll, z. E. das fis ins fis durum, oder das cis ins cis durum, so brauchet man das einfache Creutzgen, weil es aus eben so viel Strichen, als nur gedachtes Semitonium minus Commata haben soll, bestehet, und heisset Diesis enharmonica und simplex. Man findet auch dergleichen drey- und vierfache Creutze, welche aus 3 oder 4 perpendicular- und so viel horizontal-Strichen, so durch einander gezogen sind, bestehen, und die Note, vor welcher sie befindlich, um 6 oder 7 Commata, das ist, fast um ¾ eines Tons erhöhen. Wenn das doppelte Creutz vor oder nach den Ziffern des General-Basses stehet, thut es eben die Wirckung, als bey den Noten. Und muß man in gedruckten Sachen hierbey Acht haben, ob nicht aus Mangel der Zeichen in der Druckerey das einfache für das gedoppelte Creutz genommen worden. Stehet das chromatische oder doppelte Creutz allein über einer Note, zeiget es an, man solle die grosse Terz nehmen. Ob auch gleich ordentlicher Weise die doppelte Creutzgen über die General-Baß-Noten gehören; so findet man sie doch auch aus Versehen manchmal über oder unter andern Noten in Sing- und Stimm-Partien geschrieben; sie müssen aber alsdenn betrachtet werden, als wenn sie vor den Noten stünden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 522–523Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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