Groppo, Jst ein Terminus in der Music, und bedeutet in der Composition eine lauffende Figur, die sich wie eine Kugel überwältzet, und im Schreiben und Stellen der Noten einen halben Kreis machet. Herr Walther in seinem musicalischen Lexico giebt p. 292 folgende Beschreibung: Groppo oder Gruppo, pl. groppi, gruppi, (ital.) grouppe (gall.) ist in der Music eine Diminutions-Gattung grosser und langer Noten, und bestehet ordinairement aus vier Achteln oder Sechzentheilen, deren erstes und drittes in einerley Tone, das zweyte und vierte aber in verschiedenen Tonen sich befinden. Steiget die vierte Note in die Höhe, so ist es ein Groppo ascendente; steiget sie aber abwerts, so ist es ein Groppo descendente. Diese Diminution wird öffters auf der penultima einer Cadenz, um das Trillo zu endigen, gebraucht. s. Bross. Diction. Weil nun diesem Auctori ein Gircolo mezzo p. 20, und ein Groppo p. 43 einerley ist; halte ohnmaßgeblich dafür: daß diese letztere Figur alsdenn erst den Nahmen einer Kugel oder Waltze meritiret, wenn vorgemeldte vier Noten zweymal angebracht worden. Aber Printzens Meinung, (wenn 2 Circoli mezzi also zusammen und an einander gehänget werden, daß, so sie über einander gesetzet werden sollten, sie einen vollkommenen Circkel darstellen würden) ist des Brossards seiner vorzuziehen. So weit Herr Walther. Allein Herr Mattheson in seinem Capellmeister fol. 115 sq. verdeutscht das Wort Groppo ein Knauf in Trauben-Gestalt, und kan nicht begreiffen, daß es im Jtalienischen eine Waltze oder Kugel bedeuten könne, ob es gleich verschiedene in ihren Büchern so auslegen. Er leitet es von Grappo, eine Traube, die im Frantzösischen und Engelländischen Grape heißt, her; und bezeichnet alles dasjenige sowol im eigentlichen als figürlichen Verstande, was wir im Nieder-Sächsischen und Engelländischen (als Altdeutschen) ein Kluster nennen, welche z. E. viel kleine Beeren, oder andere Dinge, die dicht zusammen gefügt sind oder sich häuffen: wie hier, bey dieser Manier, die an einander geschlossene Schreib-Noten thun. Jn der Mahlerey nennet man eine Verbindung oder Zusammenkunft vielerley Cörper nahe an einander Groupe. Man brachte diese Trauben-Zierath gemeiniglich bey den Schlüssen der Melodie an: Man darf sich aber an den Ort nicht eben binden, sondern die Groppen können theils ausserordentlich, als ein bloß zufälliger Zierath, theils förmlich oder wesentlich gar wohl mit in die Melodie gebracht, und gantze Läuffe daraus gebildet werden, welche keinen geringen Wohllaut mit sich führen, falls die auszudruckende Leidenschafft dergleichen Drehungen und Wendungen verstattet.