Kranich, Grus, Ulpio, Jst ein grosser zehen bis zwölff Pfund schwerer Vogel, welcher einen langen weißlichten und rücklings schwartzen Hals, einen langen Schnabel, und was Männlein sind, einen rothen Flecken auf dem Kopff, einen grauen oder Aschen-farbenen Leib und Flügel, aber schwartze Spitzen an den Schwing-Federn und hohe Beine hat. Die Tartärn, bey welchen dieser Vogel sonderlich hoch gehalten wird, und die sich dessen grosse Federn an Flügeln, so sich gegen den Schwantz zu krausen, wenn sie solche mit Gold und Silber eingefasset, auf ihre Mützen stecken, zehlen fünferley Arten der Kraniche. Die 1) haben Raben-schwartze Flügel; die 2) sind weiß und schwartz mit goldgelben Flecken an ihren Federn; die 3) sehen in den meisten Stücken den unsern gleich; die 4) sind zwar klein, haben aber überaus schöne schwartze und rothe Federn, und die 5) sind aschenfarbig mit grossen rothen und schwartzen Spiegeln. Longolius und Gesnerus gedencken auch einer Art, welche gantz weiß sind. Unsere Kraniche sind zwar keine Wasser-Vögel, halten sich aber doch gerne nahe bey dem Wasser auf, sonst lassen sie sich auch gerne in grossen, breiten, flachen Feldern nieder, wo sie sich wohl und genugsam umsehen, und vor besorglichen Nachstellungen sowol der Menschen als wilden Thiere hüten können. Sie stellen dahero, wo sie sich im Felde setzen, ihre Nacht-Ruhe zu halten, ihre Schildwachten aus, die nur auf einem Fusse stehen, damit sie nicht einschlaffen. Sie fliegen wie die wilden Gänse Hauffenweise, in zweyen gleich einem scharffen oder spitzigen Winckel zusammen stossenden Reihen, meistens nach dem Wind, desto schleuniger fortzukommen. Auf der Reise halten sie unter einander gute Freundschafft, sonsten aber, wenn ein Paar uneins werden, streiten sie so hefftig, daß sie gar leicht darüber erschlichen, und gefangen werden können. Sie bringen nicht mehr als zwey Eyer, zwischen welche sie in ihrem Neste iedesmal einen Stein zu legen pflegen. Wenn diese Vögel im Früh-Jahr zeitig kommen, soll es einen schönen Herbst; wenn sie hoch und stillschweigend fliegen, schönes Wetter; wenn sie aber niedrig und ohne Ordnung daher ziehen, auch im Fluge schreyen, Regen und Ungewitter bedeuten. Wo sie ihre gewöhnliche Ruhe-Stellen haben, macht man tieffe aber enge Gruben, wirfft Getreid, oder was sie sonst gerne fressen, hinein, leget eine starcke Schleiffe oder Schlinge von Roß-Haaren über die Grube, und bindet solche an einen Stock fest an; wenn nun der Kranich mit seinem Hals hinunter reichet, wird er von der Schleiffe ergriffen und also gefangen. Andere stecken lange papierne Düten in die Gruben, werfen unten Erbsen hinein, und beschmieren sie oben mit Vogel-Leim; will nun der Kranich, den Fraß heraus zu langen, mit dem Kopff in die Düte fahren, bleibet ihm solche an dem Kopffe kleben, daß er, davon geblendet, leichtlich kan mit Händen ergriffen werden. Wer sie mit einem Rohr beschleichen und schiessen will, muß Acht haben, daß der Wind von dem Vogel gegen ihm gehe: Denn wo der Wind von ihm auf den Kranich gehet, so wittert ers gleich, und flieget davon, ehe man zum Schuß kommen kan.