FeedMadrigal
Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Madrigal, Leiten einige von Mandrigal her, welches ein Hirten- oder Schäfer-Lied bedeutet, oder von mandra oder mandria, eine Heerde, und hätten dannenhero die alten Jtaliener dasselbe Mandriagale genennet. Andere sagen, es heisse so viel, als Madre della Gala, Madre galante, Madre gaia, ein zierliches munteres und fröliches Liedlein, quasi Mater lætitiæ. Octavius Ferrarius derivirt es in seinen Originibus von dem Spanischen madrugar früh aufstehen, daß Madrigale demnach solche Gedichte wären, welche früh vor den Thüren des Frauenzimmers von ihren Galanen gesungen werden. Doni aber sagt: Die Madrigale wurden anfänglich von den Jtalienischen Land-Dichtern nach ihrer etwas weichen Aussprache Madrials genennet, weil man sie nemlich zu Material-Sachen, das ist, zu täglichen und allgemeinen Vorfällen, zu geringen und groben Materien fast immer gebrauchte. Es ist aber ein Madrigal bey den Jtalienern ein kurtzes Gedicht, darinne sie, ohne einige gewisse Reim-Masse etwas scharfsinnig fassen, und gemeiniglich dem Leser ferner nachzudencken geben. Es hat, wo nicht mehr, 11 bis 15, auch wol weniger Zeilen, die bald kurtz, bald lang gerathen, allemal uneben find, damit eine derselben keinen Reim bekomme, und der Vortrag mehr einer ungebundenen Rede, als einem Gedichte ähnlich sehe. Jhre Erfindung wird ums Jahr 1400 gesetzt. Jn vorigen Zeiten wurden sie mit vielen Stimmen, fast wie die Moteten, concertirend gesetzt, und in den ehemaligen Oratorien der Jtaliener kam keine Madrigalische Schreibart vor, bey itzigen Zeiten aber meldet sie sich allenthalben häuffig.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1394–1395Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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