FeedLaß-Reiser
PflanzenreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Laß-Reiser, Sind im Laub-Holtze diejenigen jungen Stamme, welche bey allen und ieden Gehauen, da das Schlag-Holtz abgetrieben wird, das erste mal stehen bleiben, und den Anfang zum Ober-Holtze machen. Vermöge der Holtz-Ordnung in Franckreich und anderer Orten, sollen auf iedem Acker sechzehen junge Laß-Reiser, so man wieder zu Ober-Holtze ziehen soll, gelassen werden, und zwar an Ahornen, Aspen, Bircken, Buchen, Castanien, Eschen-Bäumen, Jlmen Eichen etc. was nemlich an iedem Ort am besten zu nutzen scheinet; als wo man Schiff- oder Wasser-Bau und Eichel-Mast hat, werden junge Eichen zu Laß-Reisern gelassen. Wo man aber hierauf kein sonderliches Absehen zu machen hat, so ist vorträglicher von andern obbeniemten Bäumen, als Aspen, Bircken etc. welche stehen zu lassen, denn sie wachsen viel schneller und geschwinder, und in einem Jahr mehr, als die Eichen in zwey oder drey daher, nehmen mit den Aesten nicht so viel Raum ein, und verdemmen deswegen weder das Unter-Holtz und die Gräserey, noch sich selbsten, sondern können näher und dichter beysammen stehen als die Eichen. Bey uns läst man insgemein auf einem Acker zwey und dreyßig junge Eichen zu Laß-Reisern stehen, damit man, weil sie wegen ihrer Jugend und Zartheit leicht ausgehen, und von Wind und Schnee verderbet werden, was zuzubüssen, und bey Abgang der andern die Zahl ersetzen könne. Man pflegt die schönsten, gerade- und bestgewachsenen Stämmlein auszulesen, welche nicht allzu genau, sondern so viel möglich, hübsch gleich mit den andern Haupt- und angehenden Bäumen auch Vorständern untermengt stehen, und vor dem Holtz-Schlag von dem Haus-Vater oder Forst Bedienten mit Stroh-Bändern gezeichnet werden sollen, damit sie nicht mit dem andern Schlag-Holtz von den Holtz-Schlägern nieder gehauen werden mögen. Jn Ober-Deutschland führen die Laß-Reiser den Nahmen Bann-Raitel.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1281–1282Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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