FeedNobili di Venezia
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Nobili di Venezia, Die Venetianischen Edelleute sind von solchem Ansehen, daß auch unterweilen auswertige Könige und Fürsten diesen Adelstand annehmen. Sie können aber nicht eher als im 25 Jahre ihres Alters in den Rath kommen. Sie werden in 3 Classen eingetheilet, deren die erste die 12 alten Häuser, Elettorali genannt, welche den ersten Doge erwehlt, und auf diesen Tag floriren, nebst einigen andern Familien begreiffet. Die zweyte Classe bestehet aus mehr als 80 Häusern, welche mit dem Serrar del Consiglio, so von ihnen bestellet wird, gleiches Alter haben, ingleichen gehören noch 30 andere Geschlechter darzu, welche 61 Jahr darnach, nemlich Anno 1380 in den Adelstand erhoben worden. Jn der dritten Classe sind diejenigen, so den Adel mit Gelde erkauffet, und dafür eine Summe von 100000 Ducaten erleget haben. Es werden dergleichen sonderlich zu Kriegs-Zeiten, da die Republic Geld braucht, gemachet, und sind ietzo deren bey die 80 Familien, welche aber zu denen hohen Aemtern der Republic nicht gezogen werden. Die Edelleute, so nicht in Venedig, sondern auf dem Lande wohnen, werden Nobili di Terra ferma genennet, und denen Nobili de Venezia nicht gleich geachtet, ob sie schon eben so alt, als diese sind. Jhr Habit ist ein weiter und langer Rock von schwartzem Tuch, welcher im Sommer mit Hermelin, im Winter aber mit anderm Peltz-Werck gefüttert ist. Die Ermel sind oben eine halbe Elle breit, und unten an der Hand schliessen sie sich enge zusammen. An dem Rock ist ein Kragen von Tuch, wie auch an Wammes, und über dieses ein weisser Kragen von Leinwand. Auf dem Haupte tragen sie ein Baret von schwartzer gestickter Wolle, über dem Rock aber eine Stolam von schwartzem Tuch, welche fast einem Sacke gleich siehet, und welche sie über die lincke Achsel werffen. Diejenigen, so in Gesandschafften gebraucht werden, dürffen eine Stolam von güldenem Stück und einen Gürtel mit güldenen Puckeln tragen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1601–1603Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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