Nürnberg, Norimberga, Ansehnliche und berühmte freye Reichs-Stadt in Francken an der Pegnitz, zwischen den Marckgrafthümern Bayreuth und Anspach gelegen. Den Nahmen hat sie vermuthlich von den alten Norischen Völckern, wiewol andere sie bald Neronsburg, von dem Kayser Nerone, (der aber niemals so weit gekommen) bald Nariscenburg, von den alten Nariscis, so daherum gesessen, bald aber Nahrungsberg genennet wissen wollen. Anfänglich ist der Ort ein offenes Dorff gewesen, woselbst Kayser Carl der Grosse eine Capelle gehabt, davon die Merckmale noch vorhanden seyn. Nach diesem haben sie die Norici besserer Sicherheit halber mit Mauren und Wällen versehen, welche Stadt nun wohl befestiget, groß und wohl gebauet ist, auch grosse Handlung treibet, und von vielen künstlichen Handwerckern, deren Arbeit man sehr weit verführet, bewohnet wird. Auf einem Berge in der Stadt liegt das Schloß, die Kayserliche Burg genannt. Die Pegnitz fliesset durch die Stadt, und theilet sie in zwey Theile, welche aber durch 11 steinerne und 7 höltzerne Brücken und Stege wieder an einander gehänget werden. Sie liegt 9 Meilen von Bamberg, 15 von Würtzburg, 8 von Amberg, 12 von Donauwerth, und 28 von Franckfurt am Mayn. Der Rath bestehet aus 42 Personen, worunter 34 Stellen mit Adelichen oder Patriciis, die übrigen 8 aber von gewissen ehrbaren Handwerckern besetzet werden, und ist also die Regierungs-Form eine gemäßigte Aristocratie. Dieser Rath und die Bürgerschafft ist Lutherisch, iedoch haben die Catholischen auch eine Kirche in dem sogenannten Deutschen Hause. Jm Jahr 1424 hat Kayser Sigismundus dieser Stadt die Reichs-Insignia, nemlich die Kayserliche Krone, Scepter, Reichs-Apffel und den Rock etc. so bey den Kayserl. Crönungen gebraucht werden, nebst vielen andern Heiligthümern zur beständigen Verwahrung anvertrauet. Das Nürnberger Gebiet, welches zwischen der Ober-Pfaltz und den Marckgrafthümern Culmbach und Anspach lieget, und darüber ein Land-Pfleger-Amt gesetzet, ist weitläuftig, und muß diese Reichs-Stadt an Römer-Monaten fast eben so viel, als ein Churfürst, oder als der Ertz-Bischoff von Saltzburg geben. Das Stadt-Regiment ist sehr klüglich, und fast wie der Republic Venedig, auf eine temperirte Aristocratie eingerichtet. Die 34 Adeliche Raths-Personen werden in verschiedene Collegia vertheilet, als in 26 Bürgermeister und 8 alte Genannte, aus denen ersten werden wiederum 13 die Aeltern, und 13 die Jüngern Bürgermeister oder Schöppen genannt. Unter denselben ist kein Unterscheid, ausser daß aus den 13 Aeltern ihrer sieben als ein Ausschuß die Herren Altere oder Sieben-Herren genennet werden. Dieses Sieben-Herren-Collegium hat vor dem übrigen Rath unterschiedliche Prärogativen, und ist billig für das Fundament der gantzen Republic zu halten. Es bestehet dasselbe aus den drey Obristen Stadt-Haupt-Leuten, davon 2 zugleich Losunger, oder Losungs-Herren genennet werden, und die nebst dem Dritten ein besonders Collegium der 3 Herren Obrist-Hauptleute ausmachen, welchen die Verwahrung der Reichs-Kleinodien, Heiligthümer, Stadt-Panier, Secret, Siegel, Stadt-Thor-Schlüssel, und vieles andere anvertrauet ist. Zu diesen drey Obrist-Hauptleuten kommen noch 4 andere Personen des Raths, welche dieses Collegium voll machen, und die wichtigsten und geheimdesten Sachen tractiren, auch in schweren Fällen einen aus den ältesten Bürgermeistern darzu ziehen, daher dasselbe nachmals der Rath bey den Achten genennet wird. Sowol das alte als neue Bürgermeister-Amt wechselt alle 18 Tage um, und können also alle 26 Bürgermeister in einem Jahre darzu gelangen, aus welchen übrigens die meisten Aemter besetzet werden, als der Kriegs-Rath, das Landpfleger-Amt, das Vormundschaffts-Scholarchial-Kirchen-Ober-Allmosen- und Pfleg-Amt, Curatel der Universität Altdorff, Handwercks-Rüg-Zinsmeister-Amt, wie auch die Aufsicht über Proviant, Zoll, Wage, Banco, Leihhaus, Zeughaus und dergleichen mehr. Die Acht Herren Alte Genannte haben hingegen das Bau-Amt, Umgeld, Aufnehmen der Bürger und Schutz-Verwandten, Nachsteuer, Mühl- und Becken-Aemter, nebst vielen andern zu versehen. Der Grosse und Volle Rath bestehet gemeiniglich aus 200 und mehr Personen, welche Genannte tituliret, und aus dem Patricien-Kauffmanns- und Handwercks-Stande genommen werden. Dieser kommt am Oster-Montage zusammen, bestätiget die Raths-Herren in ihrem Regimente, erwehlet neue an der Verstorbenen Stelle, und hat übrigens nur bürgerliche Sachen, als Contracte, Testamente, Donationen und dergleichen abzuhandeln. Hiernechst werden aus den 8 Handwerckern, als Tuchmachern, Rothgerbern, Goldschmieden, Kürschnern, Metzgern, Schneidern, Bierbrauern und Beckern, die Achte des kleinen Raths bestellet, welche zuweilen in den Rath kommen, unter den Adelichen ihren Sitz nehmen, und in Sachen, so Leib und Leben, Ersetzung der Aemter und Anlagen betreffen, ihre freye Vota geben können. Hierauf folget das Consulenten-Collegium, welches aus geschickten Raths-Gelehrten besiehet, dem Rath auf Begehren mit Consiliis assistiret, u. darinne der Oberste meistens Procancellarius der Universität Altdorf ist. Man zehlet allda die Stunden nach der Sonnen Auf- und Niedergang, also daß es im Sommer-Solstitio 16, und im Winter-Solstitio 8 Uhr schlägt. Die Kirchen, als S. Sebaldi, in welcher viele Aptiquitäten zu sehen, das Prediger-Kloster, worinnen die vortreffliche Bibliothec, die Kirche zu S. Lorentz, zu unserer Frauen, auf welcher ein künstliches Uhrwerck, zum Heil. Geist, S. Ægidii, S. Jacobi &c. sind prächtig, und das Rathhaus ist eines nach dem Augspurgischen von den schönsten in Deutschland, so man sehen kan, die Steine darinn sind theils übergüldet, theils mit allerhand Farben gemahlet. Man siehet auch sehr kunstreiche Mahlereyen darinne, unter welchen das vornehmste, wo Christus und die Jungfrau Maria abgemahlet. Auf dem Herren-Marckt stehet ein schöner Brunn, an welchen inwendig verschiedene Bilder gar künstlich zu sehen. Jm Rathhause stehet gleichfalls ein schöner Brunn, mit einer zierlichen Schale, Seule und Löwen, so Wasser von sich geben. Jtem noch ein anderer zierlicher Brunnen auf dem Neuen Bau, wobey etliche wohl proportionirte Bilder, so verschiedene Tugenden andeuten. Das Gitter dieses Brunnens hat 5 Ecken, 16 Stangen, und 5 herrlich-schöne Thüren, ein schönes Zug- und Laubwerck, so alles von aussen durch die künstlichsten Schlösser verwahret, dieses Gitter wiegt alleine 103 Centner. Das Wasser bey diesem Brunnen wird über 4 Clafftern in die Höhe getrieben, dessen Sprung, Fall, und Auslauff sehr wohl zu sehen. Die gemeine Korn- und Zeug-Häuser sind mit Proviant und Munition zur Gnüge versehen. Das Zeughaus hat 5 Gewölber, und ist iedes über 100 Schritte lang, darinn eine grosse Anzahl Stücke aufbehalten wird, und sollen daraus 50000 Mann mit Waffen können versehen werden. Jn der Kunst-Kammer aber stehet ein Orgelwerck, aus welchem man auf einmal 40 Schüsse thun kan. Alle Thürme um die Stadt sind wohl mit Canonen besetzt, desgleichen auch die 2 starcke Schlösser, welche auf einem Hügel liegen, deren das gröste für die Kayser bestimmet, wenn sie sich zu Nürnberg aufhalten, allwo der von 2848 Schuh tiefe Brunnen, die Waffen des beschreyten Zauberers von Galingen und die Tritte seines Pferdes, mit welchem er über den breiten Stadtgraben gesprengt seyn soll, und allerhand kunstreiche Gemählde zu besehen. Die Stadt ist schier in dem Centro von Deutschland, man zehlet 528 Gassen, 200 Thürme, und hat nicht weniger als 3 Stunden im Umkreis, da ausserhalb der Stadt die Zahlreiche Gärten zu besehen. Es ist noch merckwürdig, daß zu Nürnberg fast ein ieder Bürger seinen eigenen Brunnen im Hause habe. Es hat auch allhier ein grosses Fecht- und Comödien-Haus, darinnen bey 8000 Personen beqvem sitzen können, worinnen zuweilen Stier-Kämpffe gehalten, und fremde Thiere gezeigt werden. Das Wappen der Kayserlichen freyen Reichs-Stadt Nürnberg ist die Länge herab getheilet, hat zur Rechten einen halben schwartzen. Adler im güldenen Felde, zur Lincken aber ist es von roth und Silber schrägrechts sechsfach getheilet.