FeedHeiberg (Joh. Ludw.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Heiberg (Joh. Ludw.), dän. Dichter, Sohn des vorigen, geb. zu Kopenhagen 14. Dez. 1791, bezog 1809 die Universität, um Medizin zu studieren, widmete sich aber bald litterarischer Thätigkeit. Schon 1813 trat er als Dichter mit einer Bearbeitung des Don Juano und einem romantischen Schauspiele: «Pottemager Walthero, auf und wendete von nun an seine Aufmerksamkeit der südl. Romantik zu. Von seiner Bekanntschaft mit Calderon zeugte sowohl das Schauspiel «Dristig vovet halv er vundety (1817) wie die Abhandlung De poeseos dramaticae genere Hispanico (1817). In «Psyche's Indvielse, einem mytholog. Schaupiel (1817), versuchte er den Mythus von Amor und Psyche poetisch wiederzugeben. Das komische Element seiner Poesie trat hervor in Julespög og Nytaarslöier» (1816), worin er Schwächen der Litteratur und des Theaters geißelte. Bei einem Aufenthalt in Paris (1819 — 22) studierte er namentlich das franz. Theater. Nach seiner Rückkehr als Lektor in Kiel angestellt, schrieb er «Die Ar. menlehre der dän. Spracher (Altona 1823) und« ordische Mythologie, aus der Edda und Oehlenschlägers mythischen Dichtungen dargestellt» (Schlesw. 1827). Im J. 1825 trat er mit seinem ersten Vaudeville; «kKong Salomon og Jörgen Hattemagerv, auf, dem dann Recensenten og Dyretv, „Den otte og tyvende Januarv, «Aprilsnarrenev, Et Eventyr i Rosenborg Havey, «De Uadskilleli ey, Neiy, „Emilies Hjertebanken 5, «De Danske i Parisv u. s. w. folgten, die in der That nationale Lustspiele sind. Mit großem Beifall wurde auch sein Schauspiel Elverhöir (1828) aufgenommen. Ferner schrieb er; aüber die menschliche Freiheity Giel 1824) und «über die Bedeutung der Philosophie für die Gegenwarty (1833). In der letztern Schrift erklärte er sich entschieden für das Hegelsche System. Großen Beifall fanden seine Nye Digtey (1841). H. wirkte 1849—56 als Direktor des königl. Theaters in Kopenhagen. Seitdem Theatercensor, starb er 25. Aug. 1860 zu Kopenhagen. Er selbst gab Sammlungen seiner poetischen (8 Bde., 1845—47) und seiner prosaischen Schriften (3 Bde., 1841—44) heraus. Eine vollständigere Ausgabe seiner eSamlede Skrifters (22 Bde., Kopenh. 1861—63) erschien erst nach seinem Tode. H.s „Dramatische Schrif—⸗ ten» wurden von Kannegießer (Bd. 1 u. 2, Lpz. 1844) ins Deutsche übertragen. Vgl. Hansen, Om Johann Ludvig H. Nogle litteratur-historiske Oplysninger» (Kopenh. 1866). Seine Gattin, Johanne Luise H., geborene Pätges, geb. 22. Nov. 1812 zu Kopenhagen, 1829 —57 Nund 1859—64 am königl. Theater daselbst angestellt und seit 1831 mit H. vermählt, gehörte zu den vorzüglichsten Schauspielerinnen Dänemarks. Von 1864 bis 1875 wirkte sie als Bühnenlehrerin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 19Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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