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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Heilbronn, Oberamts⸗ und Handelsstadt im württemb. Neckarkreise, in einem milden und fruchtbaren Thale, 155 m über dem Meere, an dem hier für größere Schiffe fahrbar werdenden und von mehrern Brücken überspannten Neckar, Station der Linien Cransheimn MGochert (Untere Neckarbahn), H.⸗Hall-Crailsheim (Kocherbahn) und H.⸗Eppingen (Kraichgaubahn) der Württembergischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, Oberamts, Hauptzollamts mit Freihafen, einer Reichsbanknebenstelle, der Württemberger Transportversicherungsgesellschaft und einer Handels⸗ und Gewerbekammer, hat große Kanal-⸗(Wilhelmshafen) und Hafenanlagen (Winterhafen, Floßhafen), ein Historisches Museum mit Altertümern, ein Theater, ein Gymnasium, eine Realschule, eine Frauenarbeitsschule, ein Zellengefängnis, ein Sehensn und eine treffliche Quellwasserleitung. Sehenswert sind die 1013—1529 gebaute Kilianskirche mit einem Holzschnitzaltar von Tilmann Riemenschneider (1498); das Deutschordenshaus, zuerst kaiserl. Pfalz, wo Oxenstjerna 1633 den Heilbronner Vertrag abschloß, jetzt Landgericht mit der kath. Kirche; das Rathaus von 1535 mit kunstreicher Uhr von Habrecht (1580); der Turm, in welchem Götz von Berlichingen 1519 gefangen saß; die Synagoge und der alte Friedhof. Neben der Kilianskirche befindet sich der Heilbrunnen, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Das Haus, in welchem Schiller 1793—94 wohnte, liegt gegenüber der Nikolaikirche, in welcher 1525 in H. der erste evang. Gottesdienst gehalten wurde. Die (1880) 24446 meist evang. Einwohner treiben außer Weinbau bedeutenden Handel mit Kolonialwaren, Landesprodukten, Holz und Kohlen, welcher außer der Eisenbahn auch durch die Kettenschleppschiffahrt (nach Mannheim), durch Woll⸗, Rinden⸗ Leder⸗, Wein⸗ und Viehmärkte gefördert wird. Die abriken liefern namentlich Papier, Zucker, Essig, Bleiweiß, Bleizucker, Stearin, Seife, Gipsmehl, Farbestoffe, Messerschmiede⸗ Stahl⸗, Gold⸗, Silber⸗ und Eisengußwaren, Maschinen, Kunstdünger, Tabak, Tapeten, Weinsäure, Schwefelsäure, Soda, Chlorkalk, Salzsäure, Cichorien, Zwirn, Ol, Klaviere, Orgeln, Leim u. s. w. in großer Menge zur Ausfuhr. Ein Salzwerk mit einem Anlagekapital von 10 Mill. Mark ist (1884) im Entstehen begriffen. Von Vergnügungsorten sind der im NO. der Stadt belegene rebenbepflanzte Wartberg (314 m) mit guter Fernsicht von der Zinne des Wartturms, das Jägerhaus in der Nähe eines großen Sandsteinbruchs und der Schweinsberg mit weiter Rundsicht vom 20m hohen Aussichtsturm zu erwähnen. — Schon 745 schenkte der fränk. Majordomus Karlmann eine Michaeliskirche zu Heiligbronn dem Bistum Würzbur „und 1225 ward H. Reichsstadt. Dieselbe bewies sich durch viele Türme, hohe Mauern und tiefe Wassergräben so fest, daß sie im Mittelalter zwar oft berannt und belagert, nie aber erobert worden ist. Im Bauernkriege 1525, im Schmalkaldis chen Kriege, im Dreißigjährigen und in den Kriegen gegen Frankreich erlitt die Stadt Herge au Went Am 7.Sept. 1802 nahm Württemberg von H. Besitz. Das Schauspiel Kleists: «Das Käthchen von Heilbronno, beruht auf einer unverbürgten Chroniksage. Vgl. Jäger, (Geschichte von H.5 (Heilbr. 1828); Kuttler, H., seine Umgebungen und seine Geschichter (Heilbr. 1859); die vom Königlich Württembergischen Statistischen Bureau herausgegebene Bes chreibung des Oberamts H.» (Stuttg. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 27Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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