Heiliger Geist. Das Alte Testament bezeichnet mit dem Ausdruck Geist Gottes oder Geist des Herrn den lebendig machenden Hauch oder Odem Gottes, danach im übertragenen Sinne die aus Gott auf die Menschen übergehende geistige Kraft, welche die Quelle der prophetischen Erkenntnis und alles höhern geistigen und sittlichen Lebens in den Menschen ist. Im spätern Judentum wird der Geist Gottes immer mehr als die Offenbarungseite des an sich schlechthin überweltlichen göttlichen ens gedacht, ja geradezu poetisch personifiziert, ohne daß man jedoch darum an eine wirkliche göttliche Person im dogmatischen Sinne zu denken hätte. Mit der Vorstellung vom göttlichen Geiste wechselt in der nachexilischen Zeit die von der gött21 Weisheit, dem Schöpferwort und der Herrlichkeit Gottes, welche sämtlich die Offenbarungsthätigkeit Gottes von verschiedenen Seiten her bezeichnen. Wenn im Alten Testament besonders die prophetische Begeisterung auf den Geist Gottes zurückgeführt wurde, so sah die älteste indenchrist. Anschauung in der Ausrüstung mit dem „Geiste Sose Maßv das spezifische Merkmal des Messias. ofern der Messias durch diesen Geist zum Dienste Gottes ausgesondert und geweiht war, Heilt der Messiasgeist vorzugsweise das Prädikat cheiligero Geist uen 50 1½⁰). Nach der ursprünglichen einfachsten Vorstellung kam der Heilige Geist auf den natürlich erzeugten Menschen Jesus bei der Taufe in Gestalt einer Taube, dem Symbol der Reinheit, herab und machte ihn dadurch küchtig für einen messianischen Beruf. Nach Paulus bildet er Heilige Geist oder der Geist Gottes das sub⸗ „ Wesen des Sohnes Gottes überhaupt, ie irdische Menschheit ist nur seine angenommene Hülle, um die Sünde im Fleische zu ertöten, daher der Gekreuzigte in Kraft dieses Lebensgeistes von neuem erweckt wird und nun auch den Seinen den Heiligen Geist und durch denselben die Auferstehung von den Toten mitzuteilen im Stande ist. Die judenchristl. Vorstellung dagegen läßt den Heiligen Geist in dem Menschen Ichus nur als in seinem Gefäß in unermeßlicher Fülle wohnen. Letztere Ansicht steigerte sich weiter zu der Vorstellung von der ler wesentiic w Erzeugung der im übrigen noch immer wesentlich menschlich gedachten Person Jesu durch den Heiligen Geist, wogegen die paulinische Anschauung den Sohn Gottes vorweltlich dachte und als das himmlische Urbild der vollkommenen Menschheit beschrieb. Beide Vorstellungsreihen wurden in der kirchlichen Lehre des 2. Jahrh. ebenso verbunden, wie im Matthäus-Evangelium die Empfängnis vom Heiligen Geiste und die Herabkunft hergeh auf Jesus bei der Taufe nebeneinander hergehen. Neben der Lehre vom göttlichen Geiste als dem übermenschlichen Prinzip in Christi Person bildete sich unter alexandrinischem Einflusse die verwandte Vorstellung vom ewigen öttlichen Wort (dem Logos), welches die Welt geschaffen habe und in Jesu Fleisch geworden sei Da beide Lehrweisen nicht wesentlich unterschieden waren, so konnten viele Kirchenlehrer des 2. Jahrh. Logos und Pneuma als gleichbedeutende Ausdrücke für das Göttliche in Jesu gebrauchen. Ursprünglich waren weder der Logos noch das Pneuma streng persönlich gedacht, aber als ersterer Ausdruck immer allgemeiner zur Bezeichnung der vorweltlichen Persönlichkeit Christi verwendet wurde, begann man den Heiligen Geist vorzugsweise als das übernatürliche Prinzip alles höhern göttlichen Lebens in den Gläubigen zu betrachten. Anlaß hierzu gab vorzugsweise das vierte Evangelium, nach welchem Jesus als der vom Himmel gekommene und wieder zum Vater zurückkehrende göttliche Logos den Seinen nach seinem Scheiden den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, als den Beistand (Parakleten) verheißt, der sie in alle Welt leiten und ihnen das lehren solle, was sie jetzt noch nicht a verstehen vermöchten. Aber schon in der Anschauung des Urchristentums ist es der Heilige Geist, welcher den Glauben erweckt, die Gläubigen von der Sünde reinigt, sie als Gereinigte Gott zueignet und mit neuen Kräften des sittlichen Lebens erfüllt. Derselbe wird vorgestellt als eine objektive, über dem Menschen waltende und von oben her über ihn kommende Macht, ohne daß jedoch die gelegentlich vorkommende Personifikation des Heiligen Geistes dogmatisch zu nehmen wäre. Als das die Gläubigen aus der Welt aussondernde und Gott zueignende Prinzip ward der Heilige Geist in der Taufformel Matth. 28, 19 vom Vater und Sohn noch unterschieden. Die Summe des christl. Bewußtseins ist hier in dem Glauben an Gott den Vater, an Jesum Christum, den Sohn Gottes, unsern Erlöser, und an den Heiligen Geist als die in den Gläubigen waltende Gottesmacht zusammengefaßt. Als Person war der Heilige Geist auch in dieser Zusammenstellung noch nicht verstanden. Erst die Gnostiker des 2. Jahrh, räumten dem Heiligen Geist eine Stelle unter ihren mytholog. Gestalten ein, in welche sich für sie die göttliche Wesensfülle auseinanderlegte (Aonen), und in judenchristl. Kreisen fand sich die Auffassung vor, daß der Heilige Geist ein Engelwesen sei, obwohl daneben wieder die Engelwelt nur als die Auseinanderfaltung des im Heiligen Geiste zur Einheit zusammengefaßten göttlichen Wesens erscheint. Die Montanisten endlich bezeichneten den Heiligen Geist oder den Parakleten als den vom göttlichen Logos immer schärfer unterschiedenen Urheber der neuen Prophetie, welche der Montanismus verkündigte, und als das die Kirche über die Gottesoffenbarung in der Apostelzeit noch hinaus zur Periode der männlichen Reife führende Prinzip. So wurde der Heilige Geist seit dem Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrh. auch von rechtgläubigen Kirchenlehrern, wie Irenäus, Tertullian, Origines, immer allgemeiner als ein besonderes, vom Logos unterschiedenes Subjekt gefaßt. Das Verhältnis der drei Personen zueinander aber ward in der Weise strenger Unterordnung gedacht, der Heilige Geist insbesondere als hervorgebracht durch den Sohn und geringer als dieser. Nähere Bestimmungen blieben bis zum Ende des 4. Jahrh. der Freiheit der einzelnen Kirchenlehrer überlassen. Erst als die volle Gottheit des Sohnes und dessen Wesensgleichheit mit dem Vater kirchlich festgestellt worden war, forderte die Konsequenz des ürchlichen Dogmas, Gleiches auch vom Heiligen Geiste auszusagen. Wärend das Konzil zu Nicäa (325) noch gar nichts Näheres über den Heiligen Geist festgestellt hatte, entspann sich 50 Jahre später ein heftiger Streit über die Ansicht des Patriarchen Macedonius von Konstantinopel, daß der Heilige Geist nicht Gott, wie der Sohn, daher auch nicht »Herro genannt oder göttlich verehrt werden dürfe, sondern ein Geschöpf und Diener des Vaters sei. Von den angesehensten Kirchenlehrern der Zeit, einem Athanasius, Basilius d. Gr., Gregor von Nyssa, Gregor von Nazianz als «Streiter wider den Heiligen Geisto (Pneumatomachen) bekämpft, wurden die Anhänger des Macedonius auf der Synode zu Konstantinopel (381 auch kirchlich verdammt. Dafür bestimmte die Synode, der Geist sei Herro, lebendigmachend, vom Vater ausgegangen und ebenso wie der Vater anzubeten und zu verehren. Die Benennung Gotto und das Prädikat der Wesensgleichheit mit Vater und Sohn wagte selbst diese Synode dem Geiste noch nicht zu geben, doch wurde beides schon damals als rechtgläubige Meinung betrachtet. Ihren letzten Abschluß erhielt die orthodoxe Lehre vom Heiligen Geist im Abendlande durch den zuerst von Augustin ausgesprochenen Satz, daß der Heilige Geist auch vom Sohne ausgehe. Auf der Synode zu Toledo (589) kam jene Annahme zuerst in den lat. Text des in cpeichem man die Wu Glaubensbekenntnisses, in welchem man die Worte 4 qui ex patre procedito mit dem Zusatze filioque v hinter „Patrey vermehrte. Dieser Zusatz ging dann auch in das Athanasianische Glaubensbekenntnis über, in welchem es heißt: «Spiritus sanctus a patre et filio procedensov. Dieses Ausgehen aber dachte man sich als ein Aushauchen des Vaters und Sohnes (spiratio activa), im Gegensatz zu der Zeugung des Sohnes vom Vater. Noch Papst Leo III. hatte (809) Bedenken getragen, den Zusatz zum Symbol kirchlich anzuerkennen; aber in der Folgezeit ward er einer der Streitpunkte zwischen der röm. und griech. Kirche. Photius, Patriarch von Konstantinopel, erhob zuerst (867) gegen die abendländ. Kirche die Anklage der Verfälschung des Glaubens, die seit der Kirchenspaltung im 11. Jahrh. ein ö Hauptvorwurf der Orientalen gegen die Abend-1 länder blieb. Dagegen ist die Vorstellung der lat. Kirche auch zu den Protestanten übergegangen. In der kirchlichen Dogmatik ist die Lehre vom Heiligen Geiste ziemlich vernachlässigt. Dieselbe schreibt ihm eine Reihe von Wirkungen (Berufung, Erleuchtung,