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ReligionBrockhaus 1882

Heiliges Grab nennt man das in den Evangelien erwähnte Felsengrab des Joseph von Arimathia außerhalb Jerusalem, in welches Jesus Christus nach seiner Kreuzigung gelegt wurde und dessen religiöse Bedeutung auf dem an dasselbe eknüpften christl. Dogma der Auferstehung beruht. Als nach der Zerstörung durch Titus Jerusalem unter dem Namen Alia Capitolina wieder aufgebaut worden war, zeigte man im Innern der damaligen Stadt einen künstlich aufgetragenen Hügel, der über der Stelle der heiligen Passion e worden sein sollte und wahrscheinlich schon bei den Christen jener Zeit den Namen Monticulus Golgatha führte. Kaiser Konstantin ließ 326 den Hügel wegräumen und über einem unter demselben aufedeckten Felsengrabe, welches man nicht anstand, für das authentische Grab des Heilands zu halten, eine Grabrotunde mit sich östlich ihr anschließender Basilika aufführen. Das Grab selbst wurde zu einer in der Mitte der Rotunde freistehenden Kapelle ausgearbeitet. Zu der ursprünglichen Bauanlage gehörte auch die Krypte der heil. Helena und die Kreuzauffindungskapelle. Dagegen scheint die Emporkirche des sog. Kalvarienbergs, in welchem die alte Benennung Monticulus Golgatha fortlebt, erst später hinzugefügt worden zu sein. Im J. 614 wurde der Konstantinische Bau von den Persern zerstört, aber noch vor der 22 Jahre Rönc erfolgten mohammed. Eroberung durch einen önch Namens Modestus als vier getrennte Kirchen wieder aufgeführt. Eine abermalige teilweise Zerstörung fand 1011 unter dem Kalifen Hakimbiemrillah statt. Die Kreuzfahrer waren besonders bemüht, dem Heiligtum, zu dessen Befreiung sie ausgezogen, eine glänzende Austattung zu geben. Die ansehnliche Kirche, welche, die vier Gotteshäuser des Modestus wieder zusammenfassend, sich noch heute über der Stelle erhebt, ein durch das Flickwerk späterer Jahrhunderte vielfach entstellter roman. Kunstbau, wurde von ihnen unter teilweiser Benutzung der Konstantinischen Grundmauern errichtet. Die Grabkapelle selbst zerfällt in zwei hintereinander gelegene Gemächer, deren äußeres, Tatenkammer dem Vestibulum, das innere der otenkammer der jüd. Felsengräber entspricht. Letztere ist 2 mbreit und 2,5 m lang. An der nördl. Längsseite befindet sich eine Im breite und ebenso hohe Marmorbank, das ½ über welchem eine Menge silberner Kirchenlampen stets brennend erhalten werden. Nach dem Grabe sind die Kreubungatten auf dem Kalvarienberge, der Salungsstein, die Stelle der Kreuzauffindung, das Gefängnis Christi und der in der hapmders u der Griechen gezeigte Nabel der Erde besonders wertgehaltene Heiligtümer des Gebäudes. Das Heilige Grab und seine Kirche bilden ein Condominium, an welchem neben drei reichen und mächtigen Konfessionen, nämlich den Lateinern, den Griechen und den Armeniern, drei arme und einflußlose, die Jakobitischen Syrier, die Kopten und die Abessinier, Anteil haben. Die Modalität des Besitzes ist sehr verwickelt und gibt häufig zu Streitigkeiten unter den verschiedenen Mitberechtigten Anlaß. Aus solchen Streitigkeiten entwickelte sich durch die Parteinahme Frankreichs für die Lateiner und Rußlands für die Griechen der folgenschwere Krimkrieg. Die Echtheit der Stätte des Heiligen Grabes ist vielfach bestritten worden; doch ist ihre topogr.⸗histor. Möglichkeit zuzugeben. eiligen Grabe (Orden vom) soll der Sage In schon in den Kreuzzügen errichtet sein, ist aber nachweislich erst 1496 vom Papst Alexander VI. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. zur Anregung des Besuchs des Heiligen Grabes gestiftet. Papst Pius IX. teilte ihn 24. Jan. 1868 in drei Klassen: Großkreuze, Komture und Ritter. Das Ordenszeichen ist ein rotes Kreuz mit vier kleinen solchen Kreuzen in den Winkeln und wird am schwarzen Bande, von den Großkreuzen von der rechten Schulter zur linken Hüfte, von den Komturen um den Hals, von den Rittern im Knopfloch getragen, von den Großkreuzen zugleich mit einem silbernen Stern, welcher mit dem Ordenszeichen belegt ist, auf der linken Brust.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 32Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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