Himmelfahrt. Die christl. Urzeit glaubte, daß der auferstandene Messias zur Rechten Gottes erhöht sei und auf den Wolken des Himmels dereinst wiederkommen werde zurAufrichtung seines Reichs. Diese Vorstellung, welche an die eigenen, geschicht— lich unzweifelhaften Zukunftsverkündigungen Jesu sich anschließt, besagte ursprünglich noch nicht, daß Jesus mit seinem aus dem Grabe auferstandenen Erdenleibe, sondern nur, daß er in verklärter Licht— herrlichkeit vJum Himmel erhoben worden sei. Aber die immer sinnlicher ausgebildeten Vorstellungen von seiner Auferstehung forderten zu ihrer Ergänzung notwendig die weitere Annahme, daß Christus nach der wunderbaren Wiederbelebung seines Lei— bes mit eben diesem Leibe zum Wolkenhimmel emporgefahren sei. Daher wird denn Luk. 24, 51, Apostelgesch. 1, 9, Mark. 16, 19 ein sichtbares Em— porsteigen zum Wolkenhimmel und ein Verschwinden desselben in den Wolken erzählt, was nach dem Evangelium des Lukas und der aus diesem geflossenen Markusstelle am Auferstehungstage, nach der Apostelgeschichte 40 Tage später geschehen sein soll. Letztere Annahme ward die kirchlich recipierte, daher seit Ende des 4. Jahrh. zuerst im Morgenlande, aber sehr bald nachher auch im Abendlande das Fest der Himmelfahrt Christi 40 Tage nach Ostern, also an dem Donnerstage der fünften Woche gefeiert wurde. In das Glaubensbekenntnis ward das Kaufgefahren zum Himmelo wohl schon gegen Ende des 2. Jahrh. mit aufgenommen und wurde seitdem von allen bicher Parteien als eine der Haupt⸗ und Grundthatsachen der evang. Geschichte festgehalten. Der Rationalismus, welcher die Auferstehung natürlich erklärte, das Sitzen zur Rechten Gottes aber als bildliche Einkleidung einer geistigen Wahrheit nahm, bestritt die H. als nicht genügend in den Evangelienschriften bezeugt. Da aber hier eins untrennbar am andern hängt, so hat man nur die Wahl, entweder alle drei Stücke buchstäblich festzuhalten, dann aber auch die antike Anschauung vom Himmel mit einer über der Erde sich wölbenden Halbkugel, an welcher Sonne, Mond und Sterne als Lichter befestigt sind, wieder aufzunehmen und Gott mit Christus und den Engeln dort im eigentlichen Sinne wohnen zu lassen, oder mit der H. auch die Auferstehung als äußern sinnenfälligen Vorgang zu bestreiten und beides ebenso wie das Sitzen zur Rechten Gottes als sinnlich-anschauliche Darstellung der innern Erfahrung von der fortlebenden Geistesmacht Christi in seiner Gemeinde zu begreifen, welche sich immerhin der christl. Urzeit auf dem Wege der Vision vermittelt hat. „Außer der H. Christi feiert die römisch-katholische Kirche alljährlich am 15. Aug. das Fest der Himmelfahrt Mariä auf Grund der seit dem 8. Jahrh. ausgebildeten Sage, daß Seele und Körper der Mutter Jesu von dem Sohne und seinen Engeln in den Himmel aufgenommen worden seien.