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GeschichteBrockhaus 1882

Heiligtums verletzt hatten. Der erste dieser Krieg galt der phokischen Stadt Krissa; gegen dies kämpften auf Beschluß der Amphiktyonen die Athe ner, die thessalische Ritterschaft und der Tyrann Kleisthenes von Sikyon 595—586 v. Chr. uers wurde die Stadt Krissa erobert und zerstört, nack vierjähriger Blockade auch deren Seefestung Kirrha, dann der letzte Widerstand in den Gebirgen überwältigt. — Der alte Stammeshaß der Thessalier und der neu entbrannte der Thebaner gegen das tapfere phokische Bergvolk gab den Anlaß zu dem sog. zweiten Heiligen Kriege, der von seiten der Amphiktyonen mit Dekretierung einer ohen Geld— shul wegen der angeblich durch die Phoker verchuldeten Besitznahme einiger Teile heiligen Tempellandes eingeleitet und durch militärische Besetzung von Delphi seitens der phokischen Führer im J. 355 unvermeidlich gemacht wurde. Die Phoker hielten sich längere Jahre so glücklich, daß nur die Hilfe des macedon. Königs Philipp im J. 352 die Thessalier rettete. Als nachher auch die Böoter mit dem König Philipp sich verbündeten und der letzte phokische Feldherr Phaläkos sein Volk verriet (im Sommer 346 v. Chr.), mußten die Phoker die Waffen strecken. Sie wurden aus dem Bunde der Amphiktyonen ausgestoßen und verurteilt, so lange eine Steuer nach Delphi zu zahlen, bis die aus dessen Tempel geraubten 10000 Talente (47 Mill. Mark) wieder ersetzt sein würden. — Den dritten der Heiligen Kriege veranlaßte der Athener Aschines, indem er im März 339 v. Chr. im Rate der Amphiktyonen gegen die ozolischen Lokrer von Amphissa den Vorwurf erhob, daß sie widerrechtlich die seit 586 v. Chr. dem Apollo gehörige Cbene von Kirrha zu ihrem Vorteil benutzten. Zum Führer in dem hierüber entbrennenden Kriege wurde im Okt. 339 v. Chr. König Philipp berufen, der auch sofort herbeieilte, die Lokrer niederwarf, dann aber im J. 338 daran die Schritte knüpfte, die endlich zu dem weltgeschichtlichen Kampfe bei Chäronea führten. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 34Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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