FeedHeraklius
GeschichteBrockhaus 1882

Heraklius, oström. oder byzant. Kaiser (610 — 641 n. Chr.), war der Sohn des afrik. Statthalters H. Als die byzant. Aristokratie den grausamen und dabei im Kriege gegen die Perser unglücklichen Kaiser Phokas nicht mehr zu ertragen vermochte, rief sie den alten H. um Hilfe an, der nun in Afrika eine starke Macht ausrüstete und dieselbe seinem 575 geborenen Sohne übergab. Der junge H. stürzte den Tyrannen und hielt 5. Okt. 610 als neuer Kaiser seinen 1— in Konstantinopel. Reich begabt, rüstig und kriegstüchtig gab H. dem Byzantinischen Reich durch gute Reformen in der Verwaltung und im Kriegswesen neuen Halt und warf wenigstens eine der dem Reiche feindlichen Mächte gründlich nieder, die Perser. Seit 611 aufs schwerste durch die Perser bedrängt, die Syrien und Agypten eroberten und seit 617 sogar zu Chalcedon ein festes Lager anlegten, sah er sich in derselben Zeit in Europa durch die Avaren bedroht, die 619 sogar bis in die Nähe von Konstantinopel vordrangen. Daher gab H. den größten Teil der span. Besitzungen (615—616) auf (der Rest ist 624 verloren gegangen). Mit den Avaren wurde 620 für Geld momentan Frieden geschlossen; sich ihrer dauernd zu erwehren, trat er mit den damals zwischen Dnjestr und Donau hausenden Bulgaren in Verbindung, und ließ es stillschwei-Ceu geschehen, daß sich seit 620 die Kroaten und erben zwischen der Küste von Dalmatien und dem westl. Balkan festsetzten. Die Perser aber hat er seit 622 in einer Reihe glänzender Feldzüge siegreich bekämpft, sodaß endlich (obgleich die Avaren 626 sich wieder auf Konstantinopel stürzten, wo sie nun aufs Haupt geschlagen wurden) es ihm möglich wurde, im April 628 einen ruhmvollen Frieden zu schließen, der die Grenzen der Perser wieder nach dem mittlern Mesopotamien zurückschob. Weniger glücklich war er bei den Versuchen (seit 630), den alten Gegensatz zwischen der orthodoxen Kirche und den Monophysiten durch eine vermittelnde (die cmonotheletisches) Formel auszugleichen, und vermochte auch dem Fanatismus der Araber und des Islam nicht zu widerstehen. Sein frisches Heer und seine Reformen hatten allerdings den Kern des Reichs widerstandsfähig gemacht. Aber die südöstl. Provinzen, nämlich Syrien, Mesopotamien und Agypten gingen 632—641 an die Araber verloren. H. starb 10. Februar 641. [s. Eregli.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 120Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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