Heine (Heinr.), einer der genialsten deutschen Dichter und Schriftsteller der neuern Zeit, geb. 13. Dez. 1797 zu Düsseldorf, von jüd. Abkunft, studierte in Bonn, Berlin und Göttingen die Rechte, promovierte an letzterer Universität und trat 1825 zum Christentum über. Er lebte seitdem in Hamburg, Berlin und München, bis er 1830 Paris zu seinem bleibenden Aufenthalt wählte. H. widmete sich hier ausschließlich litterarischer Beschäftigung und bezog seit 1886 bis zum Sturze des Ministeriums Guizot im Febr. 1848 ein ansehnliches Jahrgeld aus der Kasse des Ministeriums des Auswärtigen. Seinen Aufenthalt in der franz. Hauptstadt unterbrach er nur durch mancherlei Ausflüge, zuletzt 1844 durch eine Reise nach Hamburg. Seit dieser Zeit versetzte ihn ein Rückenmarksleiden in einen traurigen Körperzustand, der indes die Frische und Beweglichkeit seines Geistes wenig beeinträchtigte. Er starb nach langem Leiden zu Paris 17. Febr. 1856. H. betrat die litterarische Laufbahn zuerst mit „Gedichten» (Berl. 1822) und den im folgenden Jahre erschienenen Tragödien „Almansorv und „Radeliffo, in denen er sich zwar noch von den Einflüssen der Romantik abhängig zeigte, aber doch schon eine eigentümliche Begabung verriet. Seinen eigentlichen Ruf begründete er durch die beiden ersten Bände der «Reisebilder» (Hamb. 1826 —27), die später noch durch zwei neue Bände vermehrt wurden (Hamb. 1830—31; zusammen 4 Bde., 5. Aufl. 1854). Obgleich nur ein Reisetagebuch voll flüchtiger Einfälle und Erfindungen, erregte dieses Werk, in welchem er die farblose Sentimentalität in der Litteratur, das deutsche Spießbürgertum und andere krankhafte Erscheinungen jener Zeit mit schlagendem Witz geißelte, das ungewöhnlichste Aufsehen und übte namentlich auf die jüngern Gemüter eine enthusiastische Wirkung aus. orzugsweise aber gefielen seine zum Teil sehr originellen Lieder, die er in dem „Buch der Lieder» (Hamb. 1827, 29. Aufl. 1869; illustriert von P. Thumann, Lpz. 1883) gesammelt herausgab. Hierauf folgten die Schrift ((Kahldorf über den Adel, in Briefen an den Grafen M. von Moltkey (Hamb. 1831; Verfasser der Briefe war R. Wesselhöft), „Zur Geschichte der neuern schönen Litteratur in Deutschlande (2 Bde., Par. 1833; neue Aufl. 1840), „Französische Zuständey (Hamb. 1833), eigentlich nur eine Sammlung seiner aus Paris für die Allgemeine Zeitungs geschriebenen Aufsätze,«Der Salon⸗ (4 Bde., Hamb. 1835—40; 3. Aufl. 1860—61), „Die romantische Schuley (Hamb. 1836), «Shakspeares Mädchen und Frauen mit Erläuterungen » (Par. u. Lpz. 1839), «über Börney (Hamb. 1840), «Neue Gedichtev (Hamb. 1844; 6. Aufl. 1860), nebst dem Anhange „(Deutschland. Ein Wintermärchen », welches seine letzte Reise nach Deutschland mit treffendem Witz und scharfer Satire darstellt, endlich der dem leytern verwandte «Atta Trolls (Hamb. 1847). Später erschienen noch der Romanzeros (Hamb. 1851; 4. Aufl. 1852) mit einem höchst eigentümlichen «Nachworto, in welchem er sein smahen zur positiven Religion besprach, und das fratzenhafte Tanzpoem Der Doktor Fausto (Hamb. 1851). Seine (Vermischten Schriftend (3 Bde., Hamb. 1854) enthalten die «Geständnisses und Lutetiad. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien erst nach seinem Tode (21 Bde., Hamb. 1861—66; neue Ausg., 12 Bde., Hamb. 1876) und im Anschluß daran aus seinem Nachlaß noch «Letzte Gedichte und Gedanken v (3. Aufl., Hamb. 1870). Gegen die Echtheit mehrerer der von Steinmann veröffentlichten „Briefes (5 Tle., Amsterd. 1861 — 62) und «Dichtungen » (2 Bde., Amsterd. 1860) sind von Strodtmann Bedenken erhoben worden. H.s Talent ist unzweifelhaft ein sehr bedeutendes. Ein geistvoller Prosaist, erscheint er noch ausgezeichneter als lyrischer Dichter, indem er bald die zartesten Saiten anschlägt, bald wieder die lyrische Harmonie durch ironische grelle Dissonanzen aufhebt, bald durch ein Sprühfener des Witzes und der Laune ergötzt. Er kann wie Börne als Vorläufer der Bewegung angesehen werden, welche durch die Julirevolution von 1830 ihre polit. Signatur erhielt. Seine Dichtungen, die in dem Jahrzehnt von 1840 —50 erschienen, zeigen das Streben, zusammenhängendere satirische Kunstwerke zu schaffen. Der unnachahmliche Reiz seiner Lyrik wie die seltene Schlagfertigkeit seines Witzes sichern ihm für alle Zeiten eine hervorragende Stelle in der deutschen Litteratur. Vgl. die Biographien und Charakteristiken H.s von Meißner (Hamb. 1856) und Strodtmann (Hamb. 1857; 2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1873—74). Max H., des Dichters Bruder, veröffentlichte «Erinnerungen an Heinrich H. und seine Familie (Berl. 1868); außerdem erschienen &H.s Briefe an seinen Freund Moses Moser» (Lpz. 1862). Ferner: Stephani, (Heinrich H. und ein Blick auf unsere Zeit» (Halle 1834); Fr. Steinmann, „Heinrich H. Denkwürdigkeiten und Erlebnisse aus meinem Zusammenleben mit ohis (Prag 1857); Karpeles, «Heinrich H. Biographische Skizzen (Berl. 1869); Gädcke, KAus H.s Dichterwerkstatt, eine Studier (Hamb. 1875); Hüffer, (Aus dem Leben H.sv (Berl. 1878); (Erinnerungen an H. Von seiner Nichte Maria Embden.⸗H., Principessa della Roccas (Hamb. 1881). Von H.s Memoireno existierten zwei Manustripte, von denen das eine, ausführlichere, wahrscheinlich vernichtet worden ist, während das andere, welches nur einen Teil von H.s Jugend hehandelt, erhalten blieb und in den Besitz des pariser Rechtsgelehrten Henri Julia gelangte. Das letztere erschien, herausgegeben von Eduard Engel, im Jahrg. 1884 der «Gartenlaubes und dann auch als „Supplementband v (Samb. 1884) zu den „Sämtlichen Werkenv.