Helicidae, Heliciden oder Schnirkelschnecken bilden eine artenreiche (mit weit über 5000 Spezies) Familie der Pulmonaten. Sie sind Landbewohner von sehr verschiedener Größe (wenige Millimeter bis 6 em), mit vier (nur sehr selten mit zwei) retraktilen Tentakeln, auf deren hintern die Augen sich befinden. Die Schale ist sowohl der Gestalt als auch der Färbung nach außerordentlich mannigfaltig: einzelne (sog. Nacktschnecken) besitzen nur eine rudimentäre innere Schale; bei andern ist die Schale zwar äußerlich, aber sehr klein, während sie wieder bei andern das ganze Tier aufzunehmen im Stande ist. Sehr häufig zeigen sie fünf farbige Bänder, welche in sehr verschiedener Art und Weise miteinander verschmelzen, zum Teil auch ausfallen können, sodaß für gewisse Arten der Kreis der Farbenvarietäten ein ungemein großer wird; bei der gewöhnlichen Hainschnecke (Helix nemoralis) zählt man nicht weniger als 89 Fälle verschiedener Färbung. Die Tiere sind eierlegende, nur in seltenen Fällen lebende Junge zur Welt bringende Zwitter, die zum Teil von animalischer, zum Teil von vegetabilischer Kost leben und in letzterm Falle sehr lästig für Gartenbau und Landwirtschaft werden können. Besonders erwähnt zu werden verdienen: die graue und die Ackernacktschnecke Limax einereus und agrestis), erstere bis 5 Zoll lang, dem Gemüse in Gärten, aber auch den Vorräten davon in Kellern u. s. w. sehr schädlich; man vertilgt sie entweder, indem man Köder, Kürbisstücke, süße Apfel, Salat⸗ und Kohlblätter u. s. w., namentlich aber Substanzen, die mit Jodium getränkt sind, dessen Geruch die Schnecken nach Erfahrungen franz. Gärtner ungemein anzieht, auslegt und die angelockten mittels kochendem Wasser, aufgestreutem Kochsalz oder ungelöschtem Kalk tötet, oder man streut an Stellen, wo die Tiere häufig sind, vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang Gips, Kalk, Asche, Salz, Eisenvitriol, Fichtennadeln, kurz Substanzen, welche die Tiere ihres Schleims berauben, sie in der Fortbewegung hindern oder ihre Haut verletzen. Auch Enten und Stare sind in den Gärten ausgezeichnete Vertilger der lästigen Gäste. Harmlos sind die rot, braun und schwarz vorkommenden Weg⸗ oder Waldnacktschnecken (Krion empiricorum), weniger die gebänderten Gartenschnecken (Helix nemoralis und hortensis) und die gesprenkelte Baumschnecke (H. arbustorum). Den Schaden, den die große Weinbergschnecke (H. pomatia) thut, könnte sie leicht mit ihrer eigenen Haut ersetzen, da sie ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel ist, das man in Süddeutschland recht zu schätzen weiß, das aber im Norden der Menschheit verloren geht. In Schwaben, namentlich um Ulm, werden sie massenhaft in sogenannten „Schneckengärtenos gehegt und gehen in Fässern zu 10000 Stück als Handelsartikel donauabwärts bis Wien. Am besten sind sie im Anfang des Winters, wenn sie ihre Gehäusöffnung mit einem festen Kalkdeckel geschlossen haben. Die Schnecken sind nicht allein eine Fastenspeise, denn auch bei den alten Römern waren sie sehr beliebt, die sie in eigenen Behältern (cholearia) mästeten. d. Südeuropa werden viele Arten gern verzehrt. ie Heliciden sind kosmopolitisch; fossil treten sie (in Nordamerika) in der Steinkohlenformation auf, fehlen dann aber, bis jetzt wenigstens, bis zur obern Kreide. Vgl. Pfeiffer, Monographia heliceorum viventiumo (8 Bde., Lpz. 1848—77).