FeedHeuschrecken
TierreichBrockhaus 1882

Heuschrecken bilden unter den geradflügeligen Insekten (Orthoptera) eine zahlreiche Familie, die sich durch horizontal aufliegende Oberflügel, fächerartig gefaltete Unterflügel und lange, mit verdickten Schenkeln versehene Springbeine auszeichnet und auch in Deutschland durch manche, zum Teil sehr schön gefärbte Arten vertreten wird, wie die rotgeflügelte Schnarrheuschrecke (Aeridium stridulum), deren Hinterflügel zinnoberrot gefärbt sind; diebläuliche Schnarrheuschrecke (A. caerulescens) mit blauen Hinterflügeln. Man unterscheidet gewöhnlich unter den H. drei Gruppen, die Grillen (s. d.) oder Grabheuschrecken Hnreneudie wozu die Werren oder Heimchen ge— ören; die Laubheuschrecken (Locustida), zu welchen die große grüne Heuschrecke zählt, und die Grashüpfer (Acridida). Mehrere Arten dieser letztern Gruppe, zu welcher auch die genannten zählen, sind durch die ungeheuern verheerenden Züge berüchtigt, in denen sie zuweilen erscheinen. Dahin gehört die Wander⸗ oder Zugheuschrecke (A. migratorium), welche im südl. und mittlern Europa überall vereinzelt vorkommt, ihre Eier in sandigem Boden ablegt, aber ihre eigentliche Heimat im Osten hat, von woher auch stets die verderblichen Schwärme kamen, deren Menge und Fruchtbarkeit zu beschreiben seit des Propheten del Zeiten sich unzählige Schriftsteller versucht ben. Ofters sind solche Schwärme beobachtet worden, die beim Niederfallen den Boden in mehrstündiger Breite und Länge 15 em hoch bedeckten und in wenigen Stunden alle Pflanzen aufs vollständigste vertilgten. Im Mittelalter ergoß sich diese Plage, die im Orient von jeher zu den gewöhnlichsten gehörte, auch wiederholt über Deutschland. In neuerer Zeit wurde Südfrankreich 1819, Taurien 1824 und der Regierungsbezirk Potsdam 1875 durch H. heimgesucht. Die Südspitze Afrikas wird manchmal durch Schwärme der verwüstenden Schnarrheuschrecke (A. devastator) verheert, wie 1845 geschah, als ein Nordwind Millionen dieser H. auf die Gärten der Kapstadt trieb und zuletzt ins Meer I Das südl. Europa, Vorderasien und Nordafrika werden bisweilen von Zügen der tatarischen Schnarr-Arte chrecke (A. Tataricum) verwüstet. Andere rten besuchen das westl. Afrika und die Oasen der Sahara, auch in Süd⸗ und Nordamerika, Neucaledonien u. s. w. treten Heuschreckenschwärme bisweilen schädlich auf. Einige Völker verzehren diese Insekten, welche schon von Moses als reine Speise erwähnt werden. Von den Arabern werden sie getrocknet, zerstoßen und in runde Kuchen geformt. Maharatten und Hottentotten essen sie eingesalzen, andere Völker genießen sie geröstet. Schriftsteller des Altertums erwähnen mehrerer H. essender Völker (Akridophagen). Die Eingeborenen am Amazonenstrom halten eine H. (Chlorocoelus Tananà) ihres Gesangs wegen in kleinen Käfigen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 205Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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