FeedHühnervögel
TierreichBrockhaus 1882

Hühnervögel oder Scharrvögel (Gallinacei, Rasores) nennt man eine große Ordnung, die unter den nestflüchtenden Vögeln oder Pippeln, bei welchen die Jungen nicht im Neste genährt werden, den ersten Rang einnehmen. Es sind meist auf dem Boden lebende, verhältnismäßig schwere Vögel mit kurzem, breitem, meist kuppig herabgebogenem Schnabel, nackten oder schwieligen Stellen an Kopf und Hals, aus denen oft Kappen und Kämme hervorwachsen, kräftigen, beschildeten, hohen, vierzehigen Füßen, deren Hinterzehe indes meist über dem Boden eingelenkt ist, während die drei vordern Zehen kurze, breite und stumpfe, zum Scharren der Erde geeignete Krallen tragen; mit derbem, straffem, oft in den schönsten Farben spielendem Gefieder, kurzen, dichten, gewölbten Flügeln und häufig sehr entwickeltem Schwanze. Die H. leben meist an der Erde, fliegen schwer mit rauschendem Flügelschlage, nähren sich von allem, was an und in dem Boden zu finden ist (Samen, Insekten, Würmer, Knospen etc.), machen ein kunstloses, offenes Nest am Boden, in dem sie viele Eier bebrüten, und leben meist in Vielweiberei. Das Männchen ist in diesem Falle weit größer und schöner gefärbt als das Weibchen. Man kennt gegen 400 Arten, welche über die ganze Erde verbreitet sind und in mehrere Gruppen zerfallen: die Flentene (Pteroclidae), ausgezeichnet durch schlanken, eleganten Bau, lange Flügel und spitze, mit zwei verlängerten Federn versehene Schwänze, kurze meist befiederte Läufe, sind echte Steppen⸗ und Wüstenvögel Afrikas und Centralasiens; das Sandflughuhn (terocles exustus, s. Tafel: Hühnervögel, Fig. 1), bewohnt Nordafrika. Zu den Flughühnern gehört auch das merkwürdige Fausthuhn (Syrrhaptes paradoxus) mit vollständig, auch auf den drei kurzen Zehen befiederten Füßen; eigentlich in den südruss. Steppen einheimisch, erschien 1863 der Vogel in Scharen im westl. Europa und machte Miene, sich namentlich in den Dünenstrichen Hollands und Frieslands, wo er sogar brütete niederzulassen, wurde indessen durch unsinnige Verfolgung vertilgt. Die Waldhuhner (. d.) und die Feldhühner (s. d.) bilden die Familie der T etraonidae; zu ihnen gehören das Rebhuhn (. d., Perdix cinerea, Fig. 3), das aus Südeuropa stammende, in England akklimatisierte Ro thuhn (Perdix rufa, Fig. 4), die Wachtel (J. d., Coturnix communis, Fig. 2), die californische Schopfwachtel (Lophortyx californicus, Fig. 5), die Frankolinhühner (I. d.), unter ihnen das von Nordindien bis zum Kaukasus und Kleinasien vorkommende Halsband-Frankolinhuhn (Pternister vulgaris, Fig. 6), weiter die eehuhnilar (.d.) mit dem nordischen Moorschneehuhn Lagopus albus, Fig. 8), das Haselhuhn (s. d., Tetrao bonasia, Fig. Y, das Birkhuhn (s. d.„Tetrao tetrix, Fig. 10) und der Auerhahn (s. d.Tetrao urogallus, Fig. 11.) Die Familie der Phasianidae ist weit verbreitet in der Alten Welt, namentlich aber in dem östlichen gemäßigten und tropischen Asien; zu den 75 Arten gehören die Fasanen (s. d.), von denen der bekannteste der gemeine Fasan (Phasianus colchicus, Fig. 13), der farbenprächtigste der Glanzfasan (Lophophorus impeyanus, Fig. 15) ist; der Argusfasan (Argus giganteus, Fig. 14) und der Spiegelpfau (Polyplectron chingius, Fig. 16) bilden einen übergang zu den Pfauen (s. d.), und das eigentliche Huhn (s. d.), mit dem schönen Bankivahuhn (Gallus ferrugineus, Fig. 12) zu den Truthühnern (s. d.) und Perlhühnern (s. d.). Eine besondere, über ganz Afrika bis Südspanien und ganz Südasien bis China verbreitete Familie sind die kleinen, wachtelähnlichen Laufhühnchen (Turnicidae), von denen das europäische Laufhühnchen (Turnix sylvatica, rig. 7) in Spanien und Sicilien vorkommt. Die Familie der Megapodiidae, der Großfuß⸗ oder Talegallahühner (s. d.) mit dem gewöhnlichen Talegallahuhn (Megapodius Lathami) sind ausschließlich der austral-asiat. Inselwelt eigen, während die Hokkos (s. d.) oder Cracidae mit dem schönen Crax aleéctor (Fig. 17), ebenso wie die Tinamidae oder Steißhühner (s.d.) bloß Südamerika bewohnen. Vgl. auch Tafel: Geflügel, Bd. VII, S. 645.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 447Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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