FeedHelmholtz (Herm. Ludw. Ferd.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Helmholtz (Herm. Ludw. Ferd.), einer der ausgezeichnetsten deutschen Physiologen, geb. 31. Aug. 1821 zu Potsdam, wo sein Vater Gymnasiallehrer war, studierte seit 1838 am Friedrich-Wilhelms-Institut zu Berlin Medizin, wurde 1842 Assistenzarzt an der Charité daselbst, ein Jahr später Militärarzt zu Potsdam. Im Herbst 1848 kehrte er als Lehrer der Anatomie an der Kunstakademie nach Berlin zurück, wurde aber bereits im Juli 1849 als Professor der Physiologie an die Universität Königsberg berufen. Im Herbst 1855 erhielt er die Professur der Anatomie und Physiologie zu Bonn, welche er jedoch 1858 mit der der Wobiruahm zu Heidelberg vertauschte; Ostern 1871 übernahm er die Professur der Physik an der Universität Berlin. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete H. mit der Schrift KüÜber die Erhaltung der Krafto (Berl. 1847), der später (1854) in leicht faßlicher Darstellung Aiber die Wechselwirkung der Naturkräftey folgte. Den von ihm erfundenen Augenspiegel zur Untersuchung der Netzhaut im lebenden Auge beschrieb er in einer besondern Schrift (Berl. 1851). H. bedeutendste Werke sind das Handbuch der physiol. Optiko (Lpz. 1856—66) und Die Lehre von den Tonempfindungeno (Braunschw. 1862; 4. Aufl. 1877), zwei Arbeiten, welche auf ihren Gebieten bahnbrechend gewirkt haben, sowohl dadurch, daß H. alle wichtigen Fragen jener Wissenschaften fundamental untersucht und eine Fülle von neuen Forschungen bringt (3. B. Klangfarbe), sowie auch dadurch, daß er alle Seiten der modernen Naturforschung, planmäßiges, sinnreiches Experimentieren in Verbindung mit mathem. Untersuchungen und philos. Gedankentiefe bei Aufsuchung der letzten Gründe, als Meister handhabt; überdies zeichnen 1 diese Werke noch durch eine Gerechtigkeit antrebende histor. Nachforschung bezüglich der Priorität der Erfindung oder Entdeckung der dort behandelten Gegenstände, sowie durch einen reichen Litteraturnachweis aus. Messungen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit in den Nerven, sowie Untersuchungen über Gegenstände der Optik, Akustik und Elektricitätslehre, hat er vielfach in Zeitschriften, wie besonders in J. Müllers «Archiv für Anatomies, in Mathenat „Annalen » und Crelles „Journal für Mathematiko, mitgeteilt; einzelne Teile seiner Untersuchungen hat er auch in seinen Populären wissenschaftlichen Vorträgenv (3 Hefte, Braunschw. 1865—76) in mustergültiger Weise darestellt. Die wissenschaftlichen Abhandlungen von 5. sind in zwei Bänden gesammelt erschienen (Lpz. 1881—83), die Vorträge und Reden in zwei Bänden (Braunschw. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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