FeedHeim (Ernst Ludw.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Heim (Ernst Ludw.), berühmter Arzt, geb. 22. Juli 1747 zu Solz im Meiningischen, wo sein Vater Johann Ludwig H., der Herausgeber der „(Hennebergischen Chronike (3 Bde., Meining. 1767 77), als Pastor 1785 starb, kam 1764 auf das Lyceum zu Meiningen und 1766 auf die Universität zu Halle, wo er sich der Heilkunde widmete. Er erhielt 1772 die mediz. Doktorwürde gleichzeitig mit seinem Freunde Muzel, mit welchem er dann eine wissenschaftliche Reise machte, zu der Muzels Vater, der Leibarzt Friedrichs II., das Geld gab. Sie besuchten Norddeutschland, Holland, wo sie längere Zeit in Leiden sich aufhielten, England und Frankreich. Nach der Rückkehr 1775 ging H. nach Berlin und von hier 1776 nach Spandau, wo er als Physikus und einige Jahre später als Kreisphysikus des Havellandes angestellt wurde. Im J. 1783 wendete er sich nach Berlin, wo er 1799 zum Geheimrat, 1810 zum Leibarzt des Prinzen Ferdinand ernannt wurde. Nur kurzer Zeit bedurfte es, um ihm hier unter allen Ständen Anerkennung und eine sehr große Popularität zu verschaffen. Seine Krankenlisten, nach denen er jährlich 3—4000 arme Kranke unentgeltlich behandelte, oft noch unterstützte, bezeugten, daß menschliche Tugenden und ärztliche Vorzüge sich bei ihm in seltener Vereinigung fanden. H. starb 15. Sept. 1834. Eine Sammlung «Vermischte mediz. Schriften » aus seinen Papieren veranstaltete Paetsch (Lpz. 1836). H. war übrigens der erste Arzt, der in Berlin die Kuhpocken einimpfte. In der Botanik verwendete er besondern Fleiß auf die Kenntnis der Moose. H.s Biographie (&Der alte H. v», 2 Bde., Lpz. 1835; 3. Aufl. 1879) wurde von seinem Schwiegersohn Keßler verfaßt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 38Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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