FeedHelmont (Joh. Bapt. van)
HeilkundeBrockhaus 1882

Helmont (Joh. Bapt. van), Arzt und mystischer Theosoph, geb. zu Brüssel 1578, studierte zu Lö— wen mit solchem Erfolg Medizin und Chirurgie, daß er daselbst bereits in seinem 17. Jahre als öffentlicher Lehrer auftreten konnte. Doch gab er bald die Medizin auf, verließ sein Vaterland und irrte 10 Jahre in der Welt umher, bis er durch Bekanntschaft mit einem praktischen Chemiker Geschmack an der Chemie fand. Gleich Paracelsus hoffte er auf chem. Wege ein Universalmittel zu finden. Seine Liebe zur Medizin wurde wieder wach, die er sich nun neu schuf. Er selbst nannte sich Nedicus per ignem, auf die Quelle anspielend, woraus er sein Heilmittel nahm, und machte sich durch die Bekämpfung des Aristoteles und Galenus viele Feinde. Nachdem er sich mit einem reichen Fräulein verheiratet, nahm er 1609 in Vilvorde bei Brüssel seinen Aufenthalt. Hier beschäftigte er sich bis zu seinem Tode mit chem. Arbeiten und mit dem Studium kabbalistischer und anderer mystischer Schriften. Dies führte ihn dahin, eine mystische, aus naturphilos. und mediz. Elementen gemischte Theorie aufzustellen. Ungeachtet die Chemie noch wenig ausgebildet war, machte er doch viele Entdeckungen; namentlich entdeckte er das Laudanum des Paracelsus, den Hirschhorngeist und das flüchtige Slsalz, auch führte er den Namen „Gas» in die chem. Terminologie ein. Schließlich wollte er die ganze schulwissenschaftliche Medizin umstoßen; aber was er an deren Stelle setzte, war noch unsicherer als alles Bisherige. Er nahm Geister bei seinen Erklärungen zu Hilfe, ließ alles durch chem. Kranthe entstehen und berücksichtigte in seiner Krankheitslehre vorzugsweise den Magen und Unterleib. Nach ihm wird das Leben von einer Grundkraft, die er Archeus nennt, und von andern untergeordneten Kräften regiert. Sein System ist dem Paracelsischen ähnlich, nur klarer und wissenschaftlicher. Er starb 30. Dez. 1644. Seine Werke erschienen unter dem Titel Ortus medicinaeo zu Amsterdam (1648 u. öfter, die beste Ausgabe ist die von 1652). Vgl. Spieß, «H.s System der Medizino (Frankf. 1840); Rommelaere, Etudes sur J. B. van H. (Brüss. 1868); Kopp, «Geschichte der Chemiey (Bd. 1, Braunschw. 1843). Sein jungster Sohn, Franciscus Mereurius van H., geb. 20. Okt. 1614, gest. zu Berlin 1699, suchte ebenfalls den Stein der Weisen und hinterließ mehrere theosophische Schriften, erwarb sich auch um die Physiologie der Sprache und um den Unterricht der Taubstummen nicht unbedeutende Verdienste. Vgl. Broeckr, «Le baron Francois Mercure van H.o (Antwerp. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 96Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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