FeedHygroskopizität
NaturlehreBrockhaus 1882

Hygroskopizität (grch.) nennt man die Eigenschaft der Materie, durch Flächenattraktion dampfjörmiges Wasser an ihrer Oberfläche zu verdichten. Diese Eigenschaft kommt in besonders hohem Grade vielen organisierten Gebilden, Haaren, Wolle, Seide, Pflanzenteilen, Stärkemehl zu. Die bogrostoristo Ei enschaft dieser Körper is so groß, daß sie sich völlig trocken nur in einer künstlich ausgetrockneten Atmosphäre aufbewahren lassen. Sobald sie im künstlich getrockneten Zustande der gewöhnlichen Luft ausgesetzt werden, nehmen sie, ohne irgendwie feucht 2 erscheinen, in kürzester Frist aus derselben so viel asser auf, daß sie ihr Gewicht um 10—20 Proz. vermehren. Die Menge der so absorbierten hygrostopischen Feuchtigkeit ist verschieden nach dem augenblicklichen Wassergehalt der Atmosphäre, derart, daß die betreffenden Körper sich beständig mit dem Wassergehalt der Atmosphäre in ein Gleichewicht setzen. So geben sie an relativ trockene Luft asser ab und wanen aus feuchterer Wasser auf. Die Kenntnis der Menge der in einer Substanz entaltenen hygroskopischen Feuchtigkeit ist für viele wecke von hoher Bedeutung, so z. B. im Seidenndel, wo man leicht durch Lagern an einem feuchten Orte die Seide durch Aufnahme von Wasser erheblich beschweren kann. Um den dadurch hervorgerufenen Unreellitäten vorzubeugen, wird Rohseide nur in wasserfreiem Zustande gehandelt, und es be-Iehn an den Hauptorten des Seidenhandels, so „B. in Mailand, eigene r Waßer onditionierungsanstalten, in denen der Wassergehalt der auf den Markt gebrachten Seide amtlich ermittelt wird. Dem Wollhandel würde durch Errichtung ähnlicher Anstalten großer Vorteil erwachsen, da es nicht Cerbanlad sein kann, ob man in einem metrischen Centner Wolle 10 oder 20 kg Wasser kauft. Wenngleich die H. namentlich bei organisierten Substanzen zu Tage tritt, so ist sie doch aller Materie in uchr oder weniger hohem Grade eigen; selbst das blanke Metall, das Glas, ist mit einer feinen Schicht von Feuchtigkeit bedeckt, deren Größe sich durch Wägung ermitteln läßt, indem man die betreffenden Körper zunächst länger in einer völlig wasserfreien Atmosphäre verweilen läßt, ihr Gewicht in dieser feststellt und sie dann der gewöhnlichen Luft aussetzt, wobei sofort eine Gewichtszunahme bemerkbar wird. Da die Aufnahme der hygroskopischen Feuchtigkeit auf einer Uberführung von dampfförmigem Wasser in den flüssigen, wenn nicht festen Aggregat-Del beruht, so muß dabei die Gesamtmenge er Dampfwärme frei werden, und es muß +* ein Doadot iher Körper, indem er sich mit Wasser adet, sich erwärmen. Die Größe der dabei stattndenden Erwärmung ist für einzelne Körper bereits ermittelt worden. Bei nicht 1 olut starren Körpern bringt die hygrostopischeEigenschaft nicht selten Formperänderungen, namentlich Ausdehnung oder Zusauunenzie ung in der Längenachse rultio Man benutzt dieses Verhalten bei der Konstruktion verschiedener Hygrometer d.), bei denen die He Beschaftenheit der eines aares Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Atmoäre zu machen gestatten. Auf gleiche Ursache ist Sallmähliche Verstimmtwerden der Streichinstrumente während der Konzerte zurückzuführen. Die anfangs in einer relativ trockenen Atmosphäre in die richtige Spannung versetzten Saiten verlängern sich in dem Maße, wie die Luft des Saals sich durch den Atem der Anwesenden mit Feuchtigkeit beladet; die Folge davon ist ein Herabgehen der Stimmung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 501Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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