Hemsterhuis (Tiberius), ausgezeichneter holländ. Philolog, geb. 9. Jan. (nach andern 1. Febr.) 1685 zu Groningen, wurde von seinem Vater, einem Arzte, vorbereitet, sodaß er schon im 14. Jahre die Universität seiner Vaterstadt besuchen konnte, wo er vorzüglich Mathematik studierte. Einige Jahre darauf ging er nach Leiden, um die Handschriften der dortigen Universitätsbibliothek zu ordnen, und erhielt 1704 die Professur der Mathematik und Philosophie zu Amsterdam, dann 1717 die der griech. Sprache zu Franeker, welche er aber erst 1720 antrat. Er wurde 1740 als Lehrer der griech. Sprache und der Geschichte nach Leiden berufen, wo er 7. April 1766 starb. Mit Recht betrachtet man ihn als das vollendete Muster eines echten Humanisten. Das Studium der griech. Sprache förderte er, indem er derselben nach den schwachen Vorarbeiten von J. Scaliger und Saumaise zuerst eine wissenschaftliche Grundlage gab und so der Stifter einer eigenen Schule wurde, aus welcher Ruhnken und Valckenaer als seine berühmtesten Schüler hervorgingen. Seine Hauptwerke sind die Ausgabe des Onomasticono von Pollux (2 Bde., Amsterd. 1706), die auserwählten Gespräche des Lucian (Amsterd. 1708 u. 1732) und der Plutuso des Aristophanes (Harlingen 1744; vermehrter Abdruck von Schäfer, Lpz. 1811). Ein treffliches Bild seines Lebens und Wirkens gibt Ruhnken in dem Elogium Hemsterhusiio (Leid. 1768 u. 1789), welches in Deutschland von Linde— mann in den «Vitae duumvirorum T. Hemsterhusii et D. Ruhnkenii⸗ (Lpz. 1822) U. a. von neuem herausgegeben wurde. ö Sein Sohn, Franz H., bekannt als Kunstkenner und philos. Schriftsteller, geb. 1722 in Groningen, bekleidete, nachdem er in Leiden und im Haag längere Zeit privatisiert, die Stelle eines ersten Commis bei der Stgatskanzlei der Vereinigten Niederlande und starb im Haag 1790. Er widmete sich besonders dem Studium der alten Philosophie, namentlich der Sokratischen, suchte auch den durch Locke verbreiteten Sensualismus weiter auszubilden und auf populäre Weise darzustellen. Zu seinen ästheti— schen und archäol. Schriften gehören die Lettre sur la sculpturer (Haag 1769) und die Lettre sur une pierre antiquev. Der Religionsphilosophie sind der Dialog Kristée, ou de la divinités (1779) und die Lettre de Dioclès à Diotime sur Pathéismes (1785) gewidmet. Außerdem schrieb er «Sur les désirs v, Sur l'homme et ses rapports o, Simon, ou des facultés de l'àme, die Dialogen «Alexis, ou de L'àage d'oro (1787) und «Sophyle, ou de la philosophien (1778). Seine sämtlichen Schriften gab Jansen 1792 heraus; schon vorher waren die wichtigern als Vermischte philos. Schriften des Franz H.» (3 Tle., Lpz. 1792) erschienen. Die neueste Ausgabe derselben besorgte Meyboom (3 Bde., Leeuwarden 1846 — 50). Vgl. Grucker, „François H., sa vie et ses œuvreso (Par. 1866).