FeedHennebont
ErdkundeBrockhaus 1882

Hennebont, Stadt im franz. Depart. Morbiban⸗ Arrondissement Lorient, 10 km im NO. von Lorient, 15 Km vom Meere, auf zwei Hügeln links am Blavet, Station der Linie Landerneau-Savenay der Französischen Orléansbahn, welche den Blavet auf einer 222 m langen, 25 mehohen, auf sieben Bogen von 5 und 22 m Spannung ruhenden Brücke überschreitet, zählt (1876) 4844 (als Gemeinde 6050) E. und hat einen kleinen Hafen, Seebad, Sägemühlen und Bootsbau. Die schöne Kirche aus dem 16. Jahrh. besitzt einen hohen got. Turm. Durch ihre Festungswerke, von denen noch Ruinen vorhanden sind, war H. im 14. bis 16. dereh. einer der festesten Plätze der Bretagne. Von der ehemaligen Cistercienserabtei Notre Dame de la Joie (Gaudium), im 13. Jahrh. gegründet von Blanche de Champagne, Herzogin der Bretagne, sind noch einige Reste Ibian Heunegan (lat. Hannonia, frz. Hainaut), Landschaft im wallonischen Teile der Niederlande, der Heimat der alten Nervier, gegenwärtig teils zu Frantreich, teils zu Belgien gehörig, war schon im 9. Jahrh. im Besitz eines mächtigen Grafengeschlechts, dessen Ahnherr, Giselbert von Mansuarlen (gest. 846), Kaiser Lothars I. Schwiegersohn war, und welches nach dem Tode seines Sohnes, Rainers des Langhalsigen (gest. 916), in drei Aste zerfiel: die Herzöge von Niederlothringen, die Grasen von Löwen und die von H. Nach dem Erlöschen der beiden erstern wurde Rainer III. von H. (gest. 960) einesteils der Ausgangspunkt einer neuen Löwener Linie (aus welcher später die Herzöge von Lothringen und Brabant hervorgingen), andernteils Fortsetzer des hennegauer Geschlechts. Eine Erbtochter dieses Hauses, Richilde (gest. 1086), brachte die Grafschaft an Balduin VI. von Flandern, der sich in H. Balduin I. nannte. Graf Balduin II., sein Sohn, verlor Flandern an seinen [Oheim, Robert den Friesen, und starb 1098 im Gelobten Lande; ihm folgten Balduin III. (gest. 1120) und Balduin IV. (gest. 1171). Dessen Sohn und Nachfolger, Balduin V. (gest. 1197), vereinigte, nicht ohne bedeutende Opfer an Frankreich, durch Heirat mit Margarete von Elsaß (1191) beide Grafschaften, Flandern und H., wieder miteinander. Balduin VI. (IX. von Flandern), ein Sprößling dieser Ehe, wurde 1204 erster lat. Kaiser zu Konstantinopel und hinterließ 1205 seine Hausbe-Nsitzungen seiner ältesten Tochter Johanna, deren heldenmütiger Gemahl, Prinz Ferdinand von Portugal, 1214 die Schlacht bei Bouvines an Frank-Sreich verlor. Auf Johanna folgte 1244 deren Schwester Margarete, die bereits zweimal, zuerst iJan Burkhard (Bouchard) von Avesnes, dann an Guido von Dampierre vermählt gewesen war. Den Kindern erster Ehe wurde 1246 die Anwartschaft auf H., denen zweiter Ehe die auf Flamdern zugesichert, und 1279 trat Johann II. von Aves nes, Margaretens Enkel, nach großen Wirren zwischen dieser und ihren Söhnen, auch wirklich die-Regierung in H. an, ohne daß übrigens die Spannung zwischen den beiden Linien aufhörte. Johann II. war 1299 durch Heirat auch Holland und Seeland zugefallen; er mußte aber lange mit Flandern darum fehden. Obgleich seine Bundesgenossen, die Franzosen, 1302 bei Kortryk in der berühmten Sporenschlacht von den Flamländern völlig geschlagen wurden, wußte sich sein Sohn, Graf Wilhelm I. (der Gute), in dessen Regierungszeit (1304—37) die Blütezeit H.s fällt, glücklich zu behaupten. Wilhelm II. kam 1345 im Kampfe gegen die Friesen um und es folgte ihm seine ältere Schwester Margarete (gest. 1356), die als die Gemahlin Kaiser Ludwigs IV. H. samt Holland und Seeland an das Haus Bayern brachte. Nach ihr herrschten in H. ihre Söhne: . III., unter dem die Fehde zwischen den Kabeljaus und den Hoeks ihren Anfang nahm und der 1359 in Wahnsinn verfiel, und Albert von Bayern (gest. 1404). Alberts Sohn, Wilhelm IV., Bruder des kriegslustigen Bischofs von Lüttich, Johann von Bayern, regierte 1404—17 und nach ihm die ebenso leichtsinnige als heroische Jacobäa von Bayern (s. d.), die nach mannigfachen Stürmen samt ihren übrigen Staaten auch H. 1433 an das Haus Burgund abtrat. So kam diese Grafschaft mit dem burgund. Erbe 1477 an das Haus Habsburg, bei welchem es (1556—1713 bei der span., dann bei der österr. Linie) bis zur Französischen Revolution blieb. Inzwischen war aber seit dem Pyrenäischen Frieden 1649 der gegenwärtig zum franz. Norddepartement ehörige südl. Teil von H. mit der Hauptstadt Vaenciennes an Frankreich gekommen; aus dem übrigen dagegen wurde 1815 mit Einverleibung der vormals flandr. Landschaft Tournaisis und einiger Stücke von Brabant und Lüttich, welche früher mit H. das franz. Depart. Jemappes ausgemacht hatten, die heutige belg. Provinz Hennegau gebildet, ein Gebiet von 3721,6 àkm mit (1881) 986674 E. und der Hauptstadt Mons (s. d.). In neuester Zeit ist der Titel eines Grafen von H. dem erstgeborenen Sohne des Herzogs von Brabant lietzigen Königs von Belgien) verliehen worden; derselbe starb aber schon 1869.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 110Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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