FeedHenneberg (Rud.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Henneberg (Rud.), Maler, geb. 13. Sept. 1825 in Braunschweig, widmete sich nach absolvierten Gymnasialstudien in seiner Vaterstadt seit 1845 der Rechtswissenschaft in Göttingen und Heidelberg und trat 1848 in den braunschw. Staatsdienst. Während seiner Amtsgeschäfte als Auditor erwachte in ihm die Liebe zum Zeichnen, das er früher bereits zum Vergnügen betrieben hatte, und veranlaßte ihn 1850 zum Besuch der Akademie in Antwerpen. Von Antwerpen wandte er sich nach Paris, trat in das Atelier Coutures, wirkte dann aber selbständig während eines zehnjährigen Aufenthalts in der franz. Hauptstadt. Die erste Zeit verging hier mit Anfertigung von zahlreichen kleinen Entwürfen, besonders Jagd⸗, Soldaten⸗, Studentenscenen, bis H. 1853 mit dem Bilde Studentenfahrt am Neckar erfolgreich hervortrat. Obwohl noch in dem nächsten, vom Braunschweiger Kunstverein erworbenen Gemälde: der Zigeuner und sein Liebchen, das überschäumende phantastische Wesen seiner jugendlichen Kunstrichtung stark an den Tag trat, vermochte H. sich alsbald zu klären und zu sammeln und schuf 1856 in dem Wilden Jäger eine technisch wie inhaltlich meisterhafte Leistung, wofür ihm bei der Ausstellung im Salon im folgenden Jahre die goldene Medaille zuteil wurde. Es folgten; die Hasenhetz, der Verbrecher aus verlorener Ehre (nach der bekannten Schillerschen Erzählung) und einige Landschaften. Eine gewaltige Umwälzung in H.s Stil und Auffassung, insbesondere in koloristischer Hinsicht, brachte seine Reise nach Italien mit sich, welche er w1861 antrat und wo er bis 1863 verblieb. Er wandte sich angesichts der klassischen Vorbilder jenes Landes von seiner bisherigen modern-franz. Richtung entschieden ab und förderte nach erfolgter Rückkehr in der Jagd nach dem Glücke (berliner Nationalgalerie) eine der geistreichsten und poetischsten Leistungen der neuern Malerei zu Tage, welche Schönheit der Komposition mit philos. Tiefe der Erfindung großartig verbindet. Seit 1865 in Berlin ansässig, verherrlichte er die kriegerischen Erfolge Deutschlands in dem Bilde Bismarck und die Germania, sowie in dem Wandbildercyklus der Villa Warschauer, ging dann aber 1873 wieder nach Rom, wo neben zahlreichen Studien die großen Gemälde: Reiter in der Campagna, der Mönch und die Phantasie u. a. entstanden. Im Frühjahr 1876 kehrte H. nach Braunschweig zurück und starb daselbst 14. Sept. 1876. Seine Bilder zeichnen sich durch feine Durchbildung, edles Kolorit und reine Zeichnung aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 110Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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