FeedHenriette (Anna)
GeschichteBrockhaus 1882

Henriette (Anna), Herzogin von Orléans, die jüngere Tochter König Karls I. von England und seiner Gemahlin Henriette Marie, Enkelin König Heinrichs IV. von Frankreich, wurde während des Bürgerkriegs 16. Juni 1644 zu Exeter geboren und, einige Wochen alt, von ihrer Mutter nach Frankreich gebracht. Die Restauration ihres Hauses 1660 brachte sie nach England, doch schon 1661 ward sie mit dem Bruder Ludwigs XIV., Herzog Philipp von Orléans, vermählt. Als Schwägerin des Kö— nigs (Madame) wurde H. durch ihre Anmut und Lebhaftigkeit bald der Mittelpunkt des Hofs. Im J. 1670 mußte sie mit dem Hofe die pomphafte Reise nach Flandern unternehmen und sich dann zu Calais nach Dover einschiffen, angeblich bloß, um einer Einladung ihres Bruders, König Karls II. von England, zu folgen. Nach zehn, unter allerlei Festlichkeiten verlebten Tagen hatte sie ihren Bruder von der Triple-Allianz abgebracht und zum Bundesgenossen Ludwigs XIV. gegen die Niederlande und zum Partisan der kath. Restaurationspolitik, der sie mit ganzer Seele anhing, gemacht. Acht Tage nach ihrer Rückkehr aus England (29. Juni 1670) erkrankte die Prinzessin plötzlich zu St.-Cloud und starb schon am folgenden Tage. Man hielt sie (gewiß mit Unrecht) für vergiftet und maß die Schuld bald ihrem eifersüchtigen Gemahl, bald dem Chevalier de Lorraine bei, dessen Verbannung sie bewirkt hatte. Ihre Tochter Marie Louise, 1679 an König Karl II. von Spanien vermählt, starb 1689; eine andere, Anna Marie, heiratete der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. Herzog von Savoyen, Victor Amadeus II., der nachherige ½ von Sardinien. Benriette Marie von Frankreich, Königin von England, geb. 25. Nov. 1609 als die dritte Tochter Heinrichs IV. und Maria Medicis, wurde dem Prinzen Karl von Wales zur Gemahlin bestimmt, als dieser und sein Vater Jakob I., von Buckingham geleitet, sich von der Verbindung mit Spanien losgesagt hatten. Nach dem Tode Jakobs (27. März 1625) führte Karl seine Gemahlin heim. Der kath. Eifer der Königin und der bald folgende Bruch mit Frankreich wirkte jedoch nachteilig auch auf das eheliche Zusammenleben ein. Erst ein Zwist H.s mit Kardinal Richelieu, von dem sie 1638 für ihre Mutter vergebens die Rückkehr nach Frankreich auszuwirken suchte, näherte beide Gatten, und die Englische Revolution schloß sie eng aneinander. Im J. 1642 reiste H. nach Holland, um Truppen, Geld und Munition für Karl aufzu-Latncke Im nächsten Jahre landete sie mit einem stattlichen Transport an der Küste von Yorkshire, glücklich den Schiffen der Rebellen entrinnend, und vereinigte sich in Orford mit dem König. Nachdem sie längere Zeit Karl im Lager begleitet, gelang es ihr nach der Niederkunft mit einer Tochter, Henriette Anna, ihrem sechsten und letzten Kinde, auf holländ. Schiffen nach bre. unde zu entkommen. Hier verlebte sie die Jahre, in denen ihr Gemahl der Krone und des Lebens verlustig ging. Nach der Thronbesteigung ihres Sohnes Karl II. kam sie wieder nach London, Nov. 1660, um die Vermählung ihrer jüngsten Tochter mit Herzog Philipp von Orléans ins Werk zu setzen. Sie starb in ihrer Heimat zu Colombe 10. Sept. 1669.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 113Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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