FeedHenriei
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Henriei (Christian Piean⸗ als deutscher Dichter unter dem Namen Picander (vom lat. pica, Elster und dem grch. νο, Mann) bekannt, geb. 14. Jan. 1700 zu Stolpen in Sachsen, der Sohn eines Posamentiers, studierte 1719 zu Wittenberg und 1720 zu Leipzig die Rechte. Durch sein Talent für die Dichtkunst erlangte er die Gunst der Kurfürsten August II. und August III., welche ihm einträgliche Amter zuwiesen. Er wurde 1727 Aktuar bei dem Oberpostamte zu Leipzig, sodann Postsekretär, endlich Postkommissar und erhielt als solcher noch überdies 1740 die Kreislandsteuer- und Tranksteuer-Einnehmerstelle in Leipzig sowie die Weininspektion. Er starb 10. Mai 1764. Seine Gedichte zeichnen sich durch derben Witz und ausgelassene Heiterkeit aus, werden aber oft durch unsittlichen Ton anstößig. Sie erschienen als Ernstscherzhafte und satirische Gedichtes (4. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1748 —51) und als Sammlung vermischter Gedichter (Frankf. u. Lpz. 1768). Von seinen geistlichen Gedichten sind die bekanntesten Liebster Jesu, willst du scheidend und „Wer weiß, wie nahe mir mein Ender. Auch ist er der Verfasser vieler Texte zu Kompositionen von Joh. Seb. Bach, speziell zu dessen Passionsmusik. Seine Deutschen Schauspieles, bestehend in dem «Akademischen Schlendrian, dem (Erzsäufero und der Weiberprobes (Berl. u. Hamb. 1826), sind satirische Lustspiele ohne feinern Witz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 113Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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