FeedHeinrich II.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich II., König von Frankreich, 1547—59, zweiter Sohn Franz' I. aus der Ehe mit Claudia, der Tochter Ludwigs XII., wurde 31. März 1519 geboren, lebte 1526 —29 als Geisel für seinen Vater mit seinem ältern Bruder am Hofe Karls V., vermählte sich 1531 mit Katharina von Medici, befehligte, nach dem Tode seines Bruders Dauphin geworden, 1542 die Armee, welche Perpignan belagerte, und bestieg 1547 inmitten der Krisis des von Franz I. im Stich gelassenen deutschen Protestantismus den Thron. Obhgleich die Spannung mit Spanien unverändert blieb, hielt sich H. doch, von herrschsüchtigen, geldgierigen Parteihäuptern, wie die Guise, der Connétable Montmorency, der Marschall von St.⸗Andrié und seine Maitresse Diana von Poitiers, geleitet, auf der kath. Seite und bekämpfte den wachsenden Protestantismus im Staate mit Blut und Feuer. Den von dem Vater ererbten Krieg gegen England beendete er im März 1550 mit der Rückgewinnung von Boulogne. Schon seit 1548 war er wieder mit Karl V. in kaum verhüllter Feindschaft gewesen. Von England unbelästigt, reichte er daher den deutschen Protestanten die Hand zum Angriff auf die kaiserl. Macht. Indem Kurfürst Moritz von Sachsen in Deutschland vordrang, fiel H. mit 35000 Mann im März in Lothringen ein, eroberte Toul und Verdun, besetzte Nancy, während der Connétable 10. April durch Verrat Metz nahm. Von Straßburg, das er vergeblich überfiel, wendete sich der König nach Niederelsaß. Kaiser Karl Vv., der 27. Mai 1552 den Separatfrieden zu Passau mit den prot. Fürsten schloß, dem H. nicht beizutreten gewillt war, legte im Herbst ein bedeutendes Heer vor Metz, das jedoch Franz von Guise glänzend verteidigte. Im Feldzuge von 1554 stellte H. drei Armeen ins Feld, die Artois, Hennegau und Lütich verwüsteten und die Kaiserlichen mehrfach schlugen. Auch in Italien hatte H. den Krieg seit 1552 geführt. Der Marschall Brissac kämpfte 31 6 in Piemont. Eine franz.⸗türk. Flotte sollte ie Eroberung Neapels unterstützen, die jedoch daran scheiterte, daß sich die franz. Heerführer zu Siena nicht behaupten konnten. Erschöpft schloß sunat dem Kaiser zu Vaucelles 5. Febr. 1556 einen fiährigen Waffenstillstand. Der st Paul IV. bestimmte jedoch den franz. 1000 zum Bruche dieses Friedens, und schon im olgenden Jahre mußte der Herzog von Guise mit 18000 Mann nach Italien zur Eroberung Neapels aufbrechen. Das Unternehmen scheiterte jedoch vollständig. Noch unglücklicher führte H. seine Sache an den niederländ. Grenzen. Der Connétable Montmorency, der zum Entsatz des belagerten St.⸗Quentin herbeieilte, wurde 10. Aug. 1557 gänzlich geschlagen und geriet mit der Blüte des franz. Adels in span. Gefangenschaft. Zwar entriß 1558 Guise den Engländern Calais und eroberte die Festung Thionville, aber die Niederlage von Gravelingen wog solche Erfolge auf. In dem Frieden von Cäteau-Cambresis (3. April 1559) mußte H. Piemont herausgeben, behielt aber Calais. Ein besonderer Artikel verpflichtete H. zur Verfolgung der Evangelischen; zur Befestigung der ½ wurde H.s älteste Tochter an Phiipp II. vermählt. H. hatte bei dieser Feier ein dreitägiges Turnier angeordnet, wobei er in Person in den Schranken erschien. Am Abend des zweiten Tags zwang er noch den Grafen Montgomery zu einem 9 Dabei brach sich die Lanze des Grafen an dem Visier des Königs: ihre Splitter fuhren ihm in die Stirn; nach wenigen Tagen (26. Juli 1559) starb er an dieser Verwundung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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