FeedHeinrich III.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich III., König von Frankreich, 1574 — 89, vorher Herzog von Anjou, der dritte Sohn Heinrichs II. und Katharinas von Medici, wurde 19. Sept. 1551 geboren. Nach dem Tode des Conneétable Montmorency erhielt er in dem Bürerkriege den Oberbefehl und siegte 1569 in den chlachten von Jarnac und Moncontour. Katharina verschaffte ihm 1573 die poln. Krone. Er wurde 15. Febr. 1574 zu Krakau gekrönt, verließ jedoch, mit seiner Lage unzufrieden, 18. Juli heimich Polen, um als nächster Erbe den durch den Tod seines Bruders Karl IX. erledigten Thron von Frankreich einzunehmen. Anfangs schien es, als könnte H. mit Hilfe einer Mittelpartei, den sog. „Politikern, eine auf Duldung der religiösen Geensätze gegründete Regierung einrichten, aber die anatisch-kath. Richtung, von seiner Mutter Katharina von Medici und den Guises vertreten, riß ihn bald wieder in den Kampf Moarh die Hugenotten hinein. Der «Friede des Monsieuro (nach dem Herzog von Alencon, dem Bruder H.s, genannt), Mai 1576, gewährte den Reformierten neue Vorteile und brachte den Politikern neuen Einfluß, verschärfte aber die Haltung der schroff kath. Partei, die sich unter den Guises zu einer geheimen Association zusammenschloß. Durch das Edikt von Poitiers oder Bergerac (Sept. 1577) stellte H. auf mehrere Jahre den Frieden zwischen den Faktionen her. Nach dem Tode des Herzogs von Alengon (1. Juni 1584) war bei H.s Kinderlosigkeit der nächste Erbe des Throns König Heinrich von Navarra, das Haupt der Hugenotten. H. sicherte ihm die franz. Thronfolge unter der Bedingung zu, daß er zum Katholizismus zurückkehre. a dieser Schritt die Guisen um allen Einfluß zu bringen drohte, traten sie mit Rom und Spanien in Verbindung, stifteten die «Heilige Ligav und erklärten den Kardinal Karl von Bourbon zum Thronerben, während der Papst Heinrich von Navarra als Ketzer in den Bann that. Der König wurde durch die fanatische und tief wühlende Agitation so eingeschüchtert, daß er auf Anraten seiner Mutter 1585 mit der Ligue einen Vergleich schloß, mit dem er in dem Edikt von Nemours über die Protestanten Verlust aller ihrer Rechte und Verbannung aus Frankreich verhmng⸗ H. stellte gegen die Hugenotten drei Armeen ins Feld, von denen die eine der Herzog Heinrich von Guise wider die andringenden Deutschen, die andere der Herzog von Joyeuse gegen den König von Navarra, die dritte der König selbst an der Loire befehligte. Der Sieg, den der König von Navarra 20. Okt. 1587 über Joyeuse bei Coutras davontrug, gab diesem sog. Kriege der drei Heinriche für die Liguisten und den Hof eine schlimme Wendung. In dieser Lage beschloß der Herzog von Guise, den König vollends zu verderben. Die Häupter der Ligue, denen sich in Paris ein «Rat der uchoß l »als Führer der fanatisch-kath. Pariser anschloß, legten H. im Jan. 1588 ein Ultimatum vor, in welchem derselbe zum aufrichtigen Anschluß an ihre Sache, Einführung der Inquisition u. s. w. aufgefordert wurde. Der König verwarf die Forderungen und ließ, einen Anschlag fürchtend, 4000 Schweizer in Paris einrücken. Am 12. Mai erregten hierauf die Sechzehner in den Straßen der Stadt einen Aufstand; der König ward durch Barrikaden (Ia journée des barricades) in seinem Palast, dem Louvre, eingeschlossen und entkam mit Not nach Chartres. Heinrich von Guise triumphierte: die Königin-Mutter sicherte ihm anstatt des Königs die Würde eines Generalstatthalters, dem Kardinal von Bourbon das Recht der Thronfolge und der Ligue das Versprechen der Ketzervertilgung zu. Der König unterschrieb 19. Juli diesen Vergleich und mußte ihn sogar auf der im September nach Blois berufenen Versammlung der Reichsstände auf die Hostie beschwören. Aber ebendort ereilte den Herzog das Verhängnis. Auf Anstiften H.s wurde er 23. Dez. 1588 in dem Vorzimmer des Königs ermordet, und sein Bruder, der Kardinal von Lothringen, erlitt am 2 Tage im Gefängnis dasselbe Schicksal. iese Blutthat, weit entfernt, die königl. Macht zu stärken, erregte bei den Liguisten namenlose Wut; in Paris sprach die Sorbonne das Volk der Treue gegen den «neuen Herodes » ledig, blutige 4* traf allerorten die Anhänger des Königs. urch den Tod seiner Mutter (5. Jan. 1589) völlig ratlos, floh H. nach Tours und warf sich, als er hörte, daß der Herzog von Mayenne, der Bruder der Ermordeten, zu Paris zum Generalstatthalter erklärt worden, Heinrich von Navarra in die Arme. Die Vereinigung geschah 3. April 1589 und hatte zur Folge, daß auch über H. vom Papste der Bann verhängt wurde. Beide Könige zogen mit dem bis auf 40000 Mann verstärkten Heere der Hugenotten nach Paris und brachten die von dem Herzog von Mayenne verteidigte Stadt bald der übergabe nahe. Am 1. Aug. 1589 wurde H. jedoch durch den Dominikanet Jacques Clement (s. d.) mit einem vergifteten Messer tödlich verwundet und starb am folgenden Tage (2. Aug.); mit ihm erlosch das Haus der Valois.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 51Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6