FeedHerzdilatation
ErdkundeBrockhaus 1882

Herzdilatation, s. Herzerweiterung. „Herzegowina, d. h. KHerzogtume, türk. Hersik, bildet staatsrechtlich noch das südwestlichste Sandschak des türk. Vilajets Bosnien, doch befindet es sich seit 1878 unter österr.Verwaltung. Es grenzt im O. und N. an Bosnien, im S. an Montenegro, im W. an Dalmatien. Durch die Enklaven Klek und Sutorina steht es mit dem Meere in Verbindung. Der größte Teil des Landes trägt den wüsten Charakter des felsigen Montenegro, nur in den an Bosnien grenzenden Teilen wird es etwas freundlicher und fruchtbarer. An Flüssen besitzt die H. bloß zwei von Bedeutung: die im Lande selbst entspringende Neretva (Narenta) und die Drina (. d.). Erstere mündet unterhalb Fort Opus in die Adria, letztere ergießt sich in die Save (Nebenfluß der Donau). Das ganze Land ist gebirgig (Dinarische Alpen). Die höchsten Gebirge sind die Lelja planina (2070 m), die Cervanj planina (2029 m) und die Treskavica planina (über 2000m); der höchste Berg der Maglis (2260 m) an der montenegrin. Grenze. Die Bewohner gehören derselben Familie an wie die Montenegriner, mit denen sie auch die serb. Sprache gemein haben. Ihre Zahl läßt sich nicht genau angeben, da Ssterreich eine neue administrative Einteilung getroffen hat, durch welche die H. zu einem bloßen geogr. Begriff wurde. Früher rechnete man 200000 E., von denen 45000 Mohammedaner, 30000 Katholiken und 115000nichtunierte Griechen. Hauptstadt ist Mostar. Die nächstgrößten Ortschaften sind Fotscha und Trebinje. Die bedeutendste Festung ist Stolac. Unter den Römern gehörte die H. zur Provinz Dalmatia. Um die Mitte des 7. Jahrh. wanderten die Serben ein und nahmen das Land in Besitz. Als die serb. Bane immer unabhängiger wurden, bildete die H. im 9. Jahrh. das Fürstentum Zahlum (Zachlumia). Das älteste schriftliche Dokument stammt aus dem J. 914 und nennt den Fürsten Zupan Mihalj von Humv. Später kam Humvorübergehend unter den Veliki zupand von Rascia, dem es 1154 durch Ban Boritsch von Bosnien wieder entrissen wurde. Im J. 1197 verlor es Ban Kulin an Ungarn. Nach mancherlei Wechselfällen kam die H. 1326 wieder unter die Herrschaft der bosn. Zupanen. Unter dem serb. Kaiser Steäphan Duschan Silni (1334—55) bildete es einen Teil des serb.⸗bulg.⸗griech.⸗alban. Reichs, doch schon 1362 kam die H. an Ungarn. Im J. 1382 setzte sich König Tvertko von Bosnien in ihren Besitz, gab sie jedoch 1390 dem Wojwoden Vlatko Hranic zum Lehen. Dessen Enkel Scepan brachte es dahin, daß ihn Kaiser Friedrich III. 1440 zum Herzog erhob. Seither nannte man Hum das «„Herzogtum» und dieser Name erhielt sich bis heute. Der offizielle Name des Herzogtums war jedoch «Sveti Savav oder Sanct Sabay (Sabbas). Nach der Eroberung Bosniens durch die Türken 1463 wandten sich diese gegen den Herzog und zwangen ihn zu einem jährlichen Tribut von 25000 Dukaten. Nach seinem Tode (1466) teilten seine Söhne Vladislav und Vlatko unter sich das Herzogtum, erlagen jedoch 1483 den Türken, welche es in das Sandschak Hersek verwandelten und mit dem Paschalik Bosna vereinigten. Im J. 1832 wurde zwar die H. davon abgetrennt und als Vezirlik dem Ali Aga Rizvanäbegovie verliehen, doch 1865 trat sie in ihr altes Verhältnis zurück. Im J. 1861 brach ein Aufstand aus, dessen Seele Luka Vukalowitsch war. Von Montenegrounterstützt, gelang es diesem, die Pforte zur scheinbaren Bewilligung der Autonomie zu bewegen. Ein neuer Aufstand brach im Juli 1875 bei Nevesinje aus, der anfangs von Ljubibratitsch geleitet wurde und sich im österr. Interesse bewegte. Bald aber gewann die montenegrin. Partei die Oberhand, Peko Paplovitsch übernahm die Leitung und errang im Verein mit Lazar Socica eine Reihe Siege über die Türken, sodaß sich Anfang 1876 die südl. Hälfte der H. im Besitz der Insurgenten befand. Am 27. Juni 1876 rief die Skupschtina derselben den Fürsten von Montenegro zum Gospodar aus, und 12 Bataillone aus der H. vereinten sich mit der Armee desselben, als diese am 2. Juli die Offensive ergriff. (S. Montenegro.) Im Frieden von BVerlin 1878 kam bloß ein schmaler Streif im Süden an Montenegro, der Rest wurde von Osterreich im Aug. 1878 occupiert. Die christl. Bewohner schlossen sich den Osterreichern bei Bekämpfung der mohammed. Insurgenten an und ihr Wojwode Musitsch rettete durch sein Eingreifen die dem Untergang nahe österr. Besatzung von Stolac. Ende 1881 und Anfang 1882 brach ein Aufstand aus, welcher nach viermonatlichen Kämpfen bezwungen wurde. Seither hat man begonnen Reformen einzuführen. (Litteratur s. unter Bosnien.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 170Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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