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ErdkundeBrockhaus 1882

Agram, kroat. Zagreb, ein nordwestl. Komitat des Königreichs Kroatien und Slawonien, mit einem Areal von 4076,75 Akm und (1880) einer Civilbevölkerung von 258245 Seelen, umfaßt die Vizegespanschaften A., Karlstadt, Jaska und Sissek, dann die Städte A., Karlstadt und Sissek. Die Bevölkerung ist auf dem flachen Lande ausschließlich röm.⸗kath. Religion und der Nationalität nach durch-Awen kroatisch. Im N. von Ausläufern der östl. Alpen (Warasdiner Kette) durchzogen, ist der größte Teil des Landes hügelig, während sich in der Mitte das Thal der Save zu einer ausgedehnten Ebene erweitert, welche zum Teil sehr fruchtbar, teilweise aber auch sehr morastig ist. Am rechten Saveufer liegt das 45 km lange und gegen 25 km breite Turopoljer Feld. Im S. des Komitats streifen Ausläufer des karstähnlichen Uskokengebirgs herein. Die Save und die ebenfalls schiffbare Kulpa sind die Hauptflüsse des Gebietes. Das Klima ist an der Save gemäßigt, in den sumpfigern Landstrichen ungesund, an der Kulpa ziemlich rauh. Der Boden ist in den Thälern ergiebig, sonst jedoch nur von mittlerer Güte; an vielen Stellen im Südwesten mager oder ganz unfruchtbar. Getreide, Holz, Wein und Obst sind die Hauptprodukte und zugleich die Hauptgegenstände des Aktivhandels. Der Gewerbfleiß steht auf niedriger Stufe; auf dem Lande fehlen oft die gewöhnlichsten Handwerker. Die königl. Freistadt A., die Hauptstadt des Komitats und zugleich des Königreichs Kroatien und Slawonien, ist Sitz des Banus, des kroat.⸗slawon.⸗ dalmat. Landtags, der höchsten Behörden und des Generalkommandos für Kroatien und Slawonien sowie eines röm. ⸗kath. Erzbischofs, liegt am Fuße des bewaldeten Agramergebirgs, 2,5 Km von der schiffbaren Save entfernt, und besteht aus der Ober⸗/ Unter⸗ und Kapitelstadt. Das Centrum der Oberstadt ist der Markusplatz mit der Residenz des Banus, dem Komitatshaus, dem Nationaltheater, dem Rathaus u. s. w. In der Oberstadt befinden sich auch die königl. Landesregierung, die oberste Gerichtsbehörde (das Septemvirat), die Landesfinanzdirektion, das Generalkommando sowie die zoolog. und mineralog. Abteilung des Nationalmuseums und die am 19. Okt. 1874 eröffnete Franz-Josephs-Universität, das Gymnasium, die Realschule, Lehrerpräparandie und Musterhauptschule, höhere Mädchenschule, griech.-uniertes Seminar, königl. Konvikt, die erste kroat. Sparkasse. Während des Kriegs des Königs Bela IV. von Ungarn mit Ottokar II. von Böhmen wurde die Oberstadt mit hohen Mauern umgeben, von denen noch einzelne überreste sichtbar sind. An der Nordseite von A. sind die Ruinen von Medvedgrad (Bärenburg), welche der agramer Bischof Filip 1249 erbauen ließ, um das Land gegen die Einfälle des böhm. Königs Ottokar II. zu schützen. Die Oberstadt ist im Halbkreise von der Unterstadt umgeben. In der Ilica, einer der längsten Straßen, konzentriert sich Handel und Industrie; an der Ostseite endet dieselbe in den Jellachichplatz mit dem Monument des Banus Jellachich. Der Jellachichplatz ist der Centralpunkt von ganz A. und durch eine schöne Straße mit dem Zrinyiplatz verbunden, welcher 1873 in einen prachtvollen Park umgewandelt wurde. Wten nterstadt ist die südslaw. Akademie der issenschaften mit der Bildergalerie und der archäol. Abteilung des Nationalmuseums, die Kirche der griech.⸗orient. Gemeinde, die jüd. Synagoge, die kroat. Escomptebank und die kroat. Kommerzialbank, zwei öffentliche Krankenhäuser, das Hauptpostamt u. s. w. In der Kapitelstadt, von der Oberstadt durch den Bach Medvedtschak getrennt, befindet sich die gotische, im 15. Jahrh. erbaute Kathedralkirche, die erzbischöfl. Residenz und das erzbischöfl. Seminar. Nahe bei der Stadt ist der großartige Park Maximir mit prachtvollen Anlagen. Die Gesamtbevölkerung von A. beläuft sich 1880 auf 30006 E. Von der Civilbevölkerung (28 388 E.) sind etwa 90 Proz. Kroaten, die übrigen aber zum größten Teile Slowenen, dann Deutsche, Ungarn u. s. w. Der Religion nach verteilt sich die Bevölkerung folgendermaßen: 25925 Katholiken, 951 orient. Griechen, 231 Evangelische, 1271 Jsraeliten und 10 von andern Konfessionen. Industriell sind fast nur Leder, Lederzeuge, Mehl und Tabak von Bedeutung. Der Handel vertreibt namentlich Wein und Getreide. Durch Eisenbahnen ist A. nordöstlich über Zakany mit dem ungarischen, westlich über Steinbrück mit dem südösterr. Eisenbahnsystem, südwestlich über Karlstadt und Fiume (sowie durch die in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. erbaute Luisen-Karolinenstraße) mit dem Adriatischen Meere, südöstlich über Sissek mit dem projektierten slawon. und bosn. Eisenbahnsystem verbunden. Am 9. und 11. Nov. 1880 sowie noch mehrmals in den darauffolgenden Wochen wurde A. von Erdbeben heimgesucht, welche in der Stadt ungeheuern Schaden (offiziell auf mehrere Millionen Gulden geschätzt) verursachten, insbesondere den Dom und die Franziskanerkirche sehr beschädigten und sich über ganz Kroatien erstreckten. In einem Zeitraume von fünf Monaten wurden in A. etwa 200 Erdstöße gezählt. Vgl. Brunner, «Agramy (Wien 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 226Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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