FeedHeubner (Otto Leonhard)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Heubner (Otto Leonhard), bekannt aus dem dresdener Maiaufstande von 1849, geb. 17. Jan. 1812 zu Plauen im sächs. Vogtlande, studierte die Rechte in Leipzig und lebte von 1832 an in 1—— Vaterstadt und in Mühltroff als Direktor mehrerer rößern Patrimonialgerichte und Rechtsanwalt. m J. 1834 gründete er in Plauen die erste Turnanstalt Sachsens in Jahnschem Sinne; 1843 wurde er als königl. Kreisamtmann nach Freiberg berufen. Als Abgeordneter zur Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt 1848 nahm er seinen Sitz auf der Linken, legte jedoch schon Anfang 1849 sein Mandat nieder, um die auf ihn gefallene Wahl zum Mitglied der sächs. Ersten Kammer anzunehmen. Hier war er einer der Führer der gemäßigten Linken. Als 3. Mai 1849 zu Dresden der Aufstand zu Gunsten der Reichsverfassung begann, wurde H. zum Mitglied der Provisorischen Regierung gewählt. Nach Unterdrückung des Aufstandes wurde H. zu Chemnitz verhaftet und wegen Hoch— verrats zum Tode verurteilt, jedoch zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Erst 28. Mai 1859, bei der Vermählungsfeier des Prinzen Georg, erfolgte seine atte sih 9. Während seiner Gefangenschaft hatte sich H. vielfach litterarisch beschäftigt; und zwar teils mit Übersetzungen, namentlich aus dem Englischen, teils mit der Abfassung volkstümlicher Lehr- und Unterhaltungsschriften (Herr Goldschmidt und sein Probiersteino, Lpz. 1850). Ferner schrieb er: Klänge aus der Zelle in die Heimato (Dresd. 1859). Nach seiner Entlassung erhielt H. eine Anstellung bei der Dresdener Hypothekenversicherungsgesellschaft und wurde im Juni 1865 zu deren erstem Direktor erwählt. Im ᷓ. 1867 legte er diese Stelle nieder, um in seinen frühern Beruf als Rechtsanwalt wieder einzutreten; 1869 wurde er in die sächs. Zweite Kammer gewählt. Seit 1869 leitet er als Ratsmitglied die Verwaltung des Kirchen⸗ und Schulwesens der Stadt Dresden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 202Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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