Heun (Karl Gottlieb Sam.), als Romanschriftsteller HO. Clauren genannt, geb. 20. März 1771 zu Dobrilugk, besuchte seit 1786 das Gymnasium zu Gotha, studierte seit 1788 zu Leipzig, dann zu Drend Mi die Rechte und kam hierauf zu dem preuß. Minister von Heynitz als Erzieher von dessen Neffen und als Privatsekretär nach Berlin. Hier wurde er 1792 Geh. Sekretär im Generaldirektorium beim westfäl. Provinzial- und beim Berg⸗-, Hütten- und Salzdepartement, 1794 Assessor bei der Bergwerks⸗ und Hüttenadministration. Im J. 1801 verließ er die preuß. Dienste, um die Verwaltung der bedeutenden Güter des Kanonikus von Treskow bei Posen und in Kujavien zu übernehmen, mit dem er jedoch bald in Mißhelligkeiten geriet. Dasselbe war der Fall mit dem Buchhändler Rein in Leipzig, dessen Kompagnon er 1804 geworden war. Im J. 1806 übernahm er von neuem die Verwaltung der Treskowschen Güter. Doch 1811 kehrte er nach Berlin zurück, wo er in das Bureau des Staatskanzlers Hardenberg kam und bald darauf zum Hofrat ernannt wurde, nahm dann am Feldzuge von 1813 und 1814 im schreibenden Hauptquartier teil, redigierte die «Preuß. Feldzeitungo, wohnte dem Kongreß in Wien bei und wurde nachher beim preuß. Gouvernement in Dresden und hierauf in Merseburg angestellt. Im J. 1820 übernahm er die Redaction der KPreuß. Staatszeitungeo, und als diese 1824 in Pacht gegeben ward, erhielt er eine Stellung beim Generalpostamt, nachdem er vorher zum Geh. Hofrat ernannt worden. Er starb 2. Aug. 1854 zu Berlin. Während seines Aufenthalts in Polen trat er zuerst als Novellist unter dem Namen H. Clauren (einem Anagramm von Carl Heun) auf. Da seine Erzählungen »Die graue Stubev im Freimütigeno und besonders «Mimiliy (4. Aufl. 1824) großen Beifall fanden, ging er auf dieser Bahn weiter. Seine früher zerstreuten Arbeiten wurden unter dem Titel «Erzählungeno gesammelt (6 Bde., Dresd. 1819 — 20) und fanden ein zahlreiches Publikum. Im J. 1818 begann er auch ein nur aus eigenen Arbeiten bestehendes Taschenbuch „Vergißmeinnichto, dessen Inhalt wieder in der Sammlung „Scherz und Ernst v (4 Sammlungen in 40 Bdn., Dresd. 1820 — 28) abgedruckt wurde. Daneben hatte er seit 1815 mehrfach dramatische Produkte erscheinen lassen, z. B. «Das Vogelschießen v, Der Bräutigam aus Mexikov, «Der Wollmarkto u. s. w., die als 4Lustspiele v(2 Bde., Dresd. 1817; 2. Aufl.6 1824) gesammelt wurden. Seine 4Gesammelten fl Schriften» erschienen in 25 Bänden (Lpz. 1851). Die Lust an flüchtiger, oft frivoler Unterhaltung. von der einen Seite und eine gewisse mit Sentimentalität gepaarte Lebendigkeit der Auffassung und Darstellung von der andern erklären den Beifall, den seine Schriften fanden. Sein schnelles Sinken in der Gunst des Publikums wurde besonders durch Wilhelm Hauff (s. d.) gefördert. Henne, s. Hüne.