FeedHildebrandt (Ferd. Theod.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Hildebrandt (Ferd. Theod.), ausgezeichneter Historienmaler, geb. in Stettin 2. Juli 1804, war 1820 — 22 Schüler der Akademie in Berlin und wandte sich später der ausschließlichen Nachfolge Schadows zu. Seine ersten selbständigen Werke waren dem Ideenkreise des deutschen Schauspiels entnommen, dessen hohe Blüte unter dem ihm befreundeten Devrient auch auf die Künstler anregend wirkte; so entstanden die Bilder: Faust und Mephisto, Gretchen von Faust im Kerker besucht, und König Lear bei der Leiche seiner Tochter (1824—26). Nach diesen ersten Erfolgen besuchte er seit 1826 die Akademie zu Düsseldorf, bereiste mit Schadow 1829 die Niederlande und wurde dort durch das Studium Rembrandts allmählich auf die Fährte des gesunden Realismus der neuen belg. Schule, namentlich der Manier von Wappers, gebracht, wenngleich mehrere um 1830 entstandene Bilder Pemzen Romeo und Julie, dieses im Besitz des rinzen Georg von Preußen) den düsseldorfer Einfluß noch nicht verleugnen. Von da an huldigte H. dem ernsten Realismus der alten Holländer im Geschichts⸗ und Genrebild, womit er ein energisches Kolorit zu verbinden wußte. Der Krieger und sein Kind (berliner Nationalgalerie, 1832), der kranke Ratsherr und seine Tochter, die Märchenerzählerin und vor allem die Ermordung der Söhne Eduards IV. von England 1836 illustrieren diese neue Richtung, insbesondere ragt das letztgenannte durch große psychol. Ledmasth durch ergreifenden Ernst und dramatische Kraft hervor. In den folgenden Jahren hielt die Boraresche-Otef ausgezeichneten Meisters für Shakspearesche Stoffe an und gab Anlaß zu mehrern bedeutenden Kompositionen, worunter: Othello, seine Abenteuer erzählend (lim Besitz des Deutschen Kaisers, 1847), das gelungenste zu nennen ist; minder tüchtig erscheinen dagegen: Cordelia (1859) und eine Scene aus „König Johanns, 1855 gemalt. Die einflußreiche und originale Thätigkeit H.s, welcher seit 1836 eine Professur an der düsseldorfer Akademie bekleidete, erweckte zahlreiche und ansehnliche Nachfolger, denen er neben den genannten Richtungen auch im Porträt vorleuchtete, stets großer Naturalist, welcher über alle Mittel der Technik mit Sicherheit zu gebieten wußte. H. starb nach längerm Leiden, das ihn seit 20 Jahren nicht völlig verlassen hatte, 29. Sept. 1874 zu Düsseldorf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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