FeedHindernismittel
TechnikBrockhaus 1882

Hindernismittel oder Annäherungshin-⸗ dernisse heißen diejenigen Terraingegenstände oder besonders hergestellten Anlagen, durch welche dem Angreifer im wirksamen Feuerbereich einer befestigten Stellung Aufenthalt verursacht, beziehungs— weise derselbe genötigt wird, bestimmte im kräf—⸗ tigsten Feuer der Verteidigung liegende Wege zu seinem Vorgehen zu benuten. Man spricht von natürlichen und von künstlichen H. und zählt zu den erstern alles, was ohne weitere Nachhilfe die Gangbarkeit des Geländes beeinträchtigt, wie Vertiefungen, steile Abhänge, Weichlandstrecken, Gewässer, Mauern, Zäune u. s. w., wenn nur die entsprechende Lage zur Aufstellung des Verteidigers vorhanden ist. Durch künstliche Umgestaltung können natürliche H. zu ihrem Zweck noch geeigneter gemacht werden. Eigentlich künstliche H. gehören zu den Mitteln der Befestigungskunst; die vollkommensten unter denselben kommen bei der Anlage von Festungen vor (s. unter Festungsbau). Von den künstlichen H. bei Feldbefestigungen verlangt man, daß sie vom wirksamen Gewehrfeuer des Verteidigers beherrscht werden, dem Angreifer keine Deckung gewähren, das eigene Vorgehen vermöge ihrer Lage nicht ganz ausschließen und nicht durch die Wirkung der feindlichen Geschütze schon aus der Ferne zerstört werden können, sowie endlich auch nicht leicht wegzuräumen oder gangbar zu machen sind. Die künstlichen H. im Feldkriege zerfallen nach der Art ihrer Herstellung in folgende Gruppen: 1) H. in Erde, wie Graben, Vorgraben, Wolfsgruben; 2) H. in Holz, wie Palissaden, Sturmpfähle, Verpfählung, Verhau, Spanische Reiter; 3) H. in Eisen, wie Drahthindernisse, Fußangeln: 4) H. durch Wasser, wie Versumpfung, Anstauung, überschwemmung; 5) H. durch Pulver, wie Fladder⸗ und Steinminen. H. in Erde sind mit den geringsten Mitteln herzustellen. Der Graben (s. Feldbefestigung) wie der Vorgraben haben besondere Bedeutung als Orte, wo hölzerne und andere H., der Einsicht und dem Geschützfeuer aus der Ferne entzogen, angebracht werden können. Der Vorgraben hat die Form eines Spitzgrabens, dessen hintere Böschung meist die flachere ist. Wolfsgruben (s.d.) sind spitz zulau⸗ — fende Löcher von — —8 etwa 60 em Tiefe, welche in mehrern Reihen mig hintereineistehende Fig. Nie 1, welche runde Inn Wolfsgruben vorstellt). Palissaden (s. d.) als H. sowie Sturmpfähle sind starke, 2,5 bis 3,5 m lange, zugespitzte Pfähle von Rund⸗ oder von Spaltholz, von denen erstere auf der Sohle des Grabens aufrecht stehend, letztere (in der Regel etwas kürzer) in den Grabenböschungen, wagerecht oder geneigt, eingegraben werden. 810 2 stellt eine Wand von Hindernispalissaden dar; in Fig. 3 ist die Inbringung von Palissaden, in Fig. 4, 5 iejenige von Sturmpfählen im Graben fahiert. Verpfählung besteht aus schwachen Pfä S —1 gängen in Feld⸗ *— = ind in vor und Drahthindernisse s. den Spezialartikel. Fig. 9 stellt einen Drahtzaun, Fig. 10 eine Drahtverflechtung vor. Bezüglich der Fußangeln s. den Spezialartikel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 246Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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