Hippolytus, angesehener Kirchenlehrer zu Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrh., war ein Schüler des Irenäus, siedelte ums J. 190 nach Rom über und nahm daselbst an den Streitigkeiten über die Gottheit Christi und die Grundsätze der Kirchenzucht lebhaften Anteil. Nach dem Tode des röm. Bischofs Zephyrin (217) wurde er, wenn er anders wirklich der Verfasser der neuerdings wieder aufgefundenen größern «Widerlegung aller Ketzereieno ist, von einem Teile des Presbyteriums zum Gegenbischof gegen Calixtus I. gewählt. Die Kirchenspaltung dauerte auch nach dem Tode des Calixtus fort und wurde, wie es scheint, erst 235 durch die Deportation des H. und seines damaligen Gegners Pontianus nach den sard. Bergwerken beendigt. Hier scheint H. bald nachher in hohem Alter gestorben zu sein. Als gelehrter Kenner der philos. und gnostischen Systeme seiner Zeit und als scharfsinniger Verteidiger der kirchlichen Logoslehre nimmt H. unter den ältern Kirchenvätern eine hervorragende Stelle ein. Ein Verzeichnis seiner Schriften ist auf dem Postament einer ihm zugeeigneten, 1551 wieder ausgegrabenen Statue angebracht. Auch die Kirchenhistoriker Eusebius und Hieronymus liefern Verzeichnisse derselben. Die Frage, ob er wirklich der Verfasser der erwähnten „Widerlegung aller Ketzereien sei, von welcher bis 1842 nur das erste Buch bekannt war und unter dem Titel «Philosophumena» dem Origenes zugeschrieben wurde, ist noch nicht endgültig gelöst. Das neunte Buch dieser Schrift Hich ausführlich die röm. Parteikämpfe seit dem Bischof Zephyrin. Eine kleinere Schrift wider 32 Ketzereien, die H. weit früher verfaßte, ist in ihren Schlußpartien noch vollständig unter dem Titel einer Homilie wider Noätus erhalten. Ein kurzer lat. Auszug war der Schrift Tertullians „De praescriptionibus haereticorumo angehängt. Außerdem ist in neuerer Zeit nachgewiesen worden, daß sie auch dem großen häresiologischen Werke des „Epiphanius (s. d.) und der Ketzerbestreitung des rPhilaster zu Grunde lag und sich aus diesen Schriften zum großen Teile wiederherstellen läßt. überdies machte sich H. durch Verbesserung des Oster⸗ „(cyklus um die Feststellung des christl. Kirchenjahres verdient und gilt auch für den Verfasser der ältern bis zum J. 234 fortgeführten Weltchronik, welche der von Mommsen neubearbeitete Chronist der seinnnigen vom J. 354 zu Grunde gelegt hat. Vgl. Bunsen, «H. und seine Zeit »(2 Bde., Lpz. 1852—53; auch engl.); Döllinger, KH. und Kallistuso (Regensb. 1853): Volkmar, „(H. und die röm. er Zeitgenosseno (Zür. 1855); Lipsius, „(Zur Quellenkritik des Eviphanios (Wien 1865) und «Die Quellen der ältesten Ketzergeschichteß (Lpz. 1875); Harnack, «Zur Quellenkritik der Geschichte des Gnostizismuso (Lpz. 1873 u. 1874); Langen, «Ge— schichte der röm. Kirche bis zum Pontifikat Leo I.v