Hufeland (Christoph Wilh.), einer der ausgezeichnetsten Arzte der neuern Zeit, geb. 12. Aug. 1762 zu Langensalza in Thüringen, wurde in Weimar, wohin sein Vater als Leibarzt der Herzogin Amalie berufen worden, durch Privatunterricht für die akademischen Studien vorbereitet und widmete sich, nach dem Beispiele seines Vaters und Großvaters, der gleichfalls weimarischer Leibarzt gewesen, der Heilkunde, und zwar zunächst 1780 in Jena und von 1781 an in Göttingen, wo er 1783 die mediz. Doktorwürde erhielt. Sodann begab er sich nach Weimar, um seinen erblindeten Vater zu unterstützen, und lebte hier, bis ihm 1793 eine ord. Professur der Medizin in Jena mit dem Titel eines weimarischen Leibarztes und Hofrats übertragen wurde. Indes ging er 1798 als Direktor des Collegium medicum, Vorstand der Oberexaminationskommission, königl. Leibarzt, erster Arzt am Charite-Krankenhause und Mitglied der Akademie der Wissenschaften mit dem Titel eines Geheimrats nach Berlin, wo er bei der Gründung der Universität 1809 die Professur der speziellen Pathologie und Therapie übernahm, 1810 als Staatsrat in die Medizinalsektion eintrat und 25. Aug. 1836 starb. H. gehört zu den edelsten Erscheinungen, sowohl als Arzt wie als Mensch. Seine wissenschaftliche Thätigkeit erstreckte sich fast über alle Teile der Heilkunde; als praktischer Arzt wie als Lehrer und Seue hobet stand er im ehrenvollsten Ansehen. Seine hohe allgemeine Bildung, seine erschöpfende Kenntnis des Gesamtwesens der Medizin, sein tiefer Blick in die Natur, verbunden mit einer geistreichen Auffassung und einem scharfen, treffenden Urteile, leiteten ihn bei Eurdnber der Kranken, bei seinem Unterrichte und bei Abfassung seiner Schriften, von denen viele auch Nichtärzten eine lehrreiche Lektüre gewähren. Vor allen ist hier zu nennen die Makrobiotik, oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängerno (Jena 1796; neuere Aufl., Berl. 1873), die fast in alle europ. Sprachen, ja selbst in die chinesische übersetzt wurde. Von seinen übrigen Schriften sind noch hervorzuheben: aüber die Ungewißheit des Todeso (Halle 1791; neue Aufl. 1824), «Vollständige Darstellung der Kräfte und des Gebrauchs der salzsauren Schwererder (Berl. 1794), alber die Natur, Erkenntnismittel und Heilart der Skrofelkrankheity Müfter 1795; 3. Aufl. Berl. 1819), Guter Rat an Mütter über die wichtigsten Punkte der physischen Erziehung der Kinder in den ersten Jahreny (Berl. 1799; 12. Aufl., Halle w1875), Geschichte der Gesundheito Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. (Berl. 1812; 3. Aufl. 1816), „Praktische übersicht der vorzüglichsten Heilquellen Deutschlandsv (Berl. 1815; 4. Aufl. von Osann, 1840), «System der praktischen Heilkunder (3 Tle., Berl. 1828), Enchiridion medicum, oder Anleitung zur mediz. Praxis, Vermächtnis einer 50jährigen Erfahrungn (Berl. 1836; 10. Aufl. 1857). Ein Teil seiner weniger umfangreichen Schriften und Journalaufsätze findet sich gesammelt in seinen Kleinern mediz. Schriftend (4 Bde., Berl. 1822—28) und in einer neuern Auswahl unter demselben Titel (Bd. 1, Berl. 1834). Außerdem verdanken ihm das Journal der praktischen Heilkunder (Berl. 1795—1835, 83 Bde.) und die „Bibliothek der prakt. Heilkundes (Berl. 1799—1835, 86 Bde.) ihre Begründung und N Bedeutung. Von seinen Verdiensten um das Medizinalwesen sind die Einführung der Leichenhäuser, von denen das erste in Weimar unter seiner speziellen Aufsicht errichtet wurde, und seine Bemühungen um die Schutzpockenimpfun hervorzuheben. Alle, die ihm näher standen, rühmten seine gewissenhafte Uneigennützigkeit. H.s Selbstbiographie gab Göschen (Berl. 1863) heraus. Vgl. Augustin, 4H.s Leben und Wirken für Wissenschaft, Staat und Menschheity (Potsd. 1837): Stourdza, (Christoph Wilhelm H.5 (Berl. 1837).