FeedHoche (Lazare)
GeschichteBrockhaus 1882

Hoche (Lazare), einer der ausgezeichnetsten Generale der franz. Republik, geb. 25. Juni 1768 zu Montreuil bei Versailles, trat aus dem königl. Marstall in die Gardes Françaises, wo er bald Unteroffizier wurde. Beim Ausbruch der Revolution nahm er Dienst in der Nationalgarde von Paris; 1792 beförderte ihn der Kriegsminister Servan zum Lieutenant in der Linie. Nach der Schlacht von Neerwinden wurde er Adjutant des Generals Leveneur. Mit diesem des Einverständnisses mit Dumouriez beschuldigt, reichte er aus dem Gefängnis einen Kriegsplan ein, der ihm die Freiheit und das Kommando der Festung Dünkirchen verschaffte. Durch mutige und geschickte Verteidigung dieses Platzes gegen die Engländer erwarb H. den Grad eines Divisionsgenerals und erhielt hierauf den Befehl über die fast aufgelöste Moselarmee, mit der er die Rheinlinie gewinnen sollte. Bei Kaiserslautern von den Preußen geschlagen, aber darauf auch mit dem Befehle über die Rheinarmee betraut wandte er sich gegen die Osterreicher, durchbra ihre Linien an der Motter, schlug 26. Dez. 1793 den General Wurmser bei Weißenburg, entsetzte Landau und vertrieb die Osterreicher aus dem Elsaß. Saint-Just, der ihn haßte, ließ ihn indes doch verhaften. Nachdem die Revolution vom 9. Thermidor ihm Freiheit und Leben gerettet, erhielt er den Oberbefehl in den westl. Departements, wo er durch Mäßigung und nach Umständen durch Strenge sehr bald günstige Erfolge errang. Nach der Landung der franz. Emigranten 27. Juni 1795 auf der Halbinsel Quiberon hinderte er deren Vordringen, schlug sie 16. Juli bei Ste.Barbe, nahm am 20. das Fort Penthievre und zwang den Rest der Erpedition zur Einschiffung. Aus Unwillen über die vom Konvent befohlene Niedermetzelung der Gefangenen legte er das Kommando im Morbihan nieder und übernahm an Canclaux' Stelle zu Nantes den Befehl über die Westarmee, wo er nun die Entwaffnung der Nieder-Vendeée begann. Das Direktorium übertrug ihm mit der Civilgewalt den Oberbefehl über die vereinigte, 100000 Mann starke Armee an den Küsten des Oceans. H. bediente sich dieser Diktatur mit Redlichkeit und Klugheit und konnte dem Direktorium 15. Juli 1796 die Beendigung des Bürgerkriegs berichten. Er rüstete hierauf mit dem Admiral Morard de Galles eine Expedition nach Irland aus und ging 16. Dez. unter Segel; allein der Sturm zerstreute die Flotte und das Unternehmen scheiterte gänzlich. Er selbst war fast allein an die Küste von Irland gelangt und entging nur mühsam den brit. Kreuzern. Das Direktorium gab ihm nun den Oberbefehl über die Maas⸗ und Sambre-Armee und zugleich die Militärgewalt über die deutschen Landschaften zwischen Maas und Rhein. Am 18. April 1797 ging er bei Neuwied über den Rhein und drang bis Gießen vor, wo der Waffenstillstand von Kloster Leoben seinen Operationen ein Ziel setzte. Er kehrte darauf nach Wetzlar zurück, wo er bald nach seiner Ankunft erkrankte und 19. Sept. 1797 starb. Man schrieb seinen Tod einer Vergiftung zu. Das ihm bei Weißenturm errichtete Denkmal ließ der König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1839 wiederherstellen. Vgl. Lazare H., d'après sa correspondance et ses notes (Par. 1858); Rousselin, Vie de Lazare H.v (Par. an VI); Bergounioux, EEssai sur la vie de Lazare H.v (Par. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 283Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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