Hochstetter (Ferd. von), Geolog, Geograph und Reisender, geb. 30. April 1829 zu Eßlingen, Sohn des um die Naturwissenschaften, insbesondere die Botanik vielfach verdienten Professors und Stadtpfarrers Christian Ferdinand H. (gest. 20. Febr. 1860), erhielt seine Gymnasialbildung in seiner Vaterstadt und studierte dann im evang. Seminar zu Maulbronn und auf der Universität Tübingen Theologie, namentlich aber Naturwissensaftlic N J. 1852 unternahm er eine wissenchaftliche Reise, die ihn 1853 auch nach Wien führte, wo er Gelegenheit erhielt, sich an den Arbeiten der Geologischen Reichsanstalt zu beteiligen. Er wurde 1854 bei dieser als Hilfsgeolog, 1856 als Chef-Geolog für die Sektion Böhmen angestellt. Seine Thätigkeit war besonders der Untersuchung des Böhmerwaldes, sowie des nordwestl. Böhmen zugewandt. Im J. 1856 wurde er ogon für die an der wiener Universität. Zum Geologen für die Novara-⸗Expedition bestimmt, trat er 30. April 1857 mit der Novara die Weltreise an. Das Hauptfeld seiner wissenschaftlichen Thätigkeit war Neuseeland, wo er sich von der Novara-Expedition trennte und die Provinzen Auckland und Nelson, namentlich mit Rücksicht auf das Vorkommen von Kohlen und Gold durchforschte. Er kehrte sodann nach Europa zurück und wurde 1860 zum Professor der Mineralogie und Geologie am k. k. Polytechnischen Institut zu Wien ernannt. Die Resultate seiner Weltreise hat H. in mehrern Werken veröffentlicht: Neuseelande (Stuttg. 1863), „Topogr.⸗ geolog. Atlas von Neuseelando (mit Petermann. 6 Blatt, Gotha 1863), geolog. Teil des Werks über die Novara-Expedition (3 große Quartbände), „Geologie von Neuseelando (Wien 1864), Paläontologie von Neuseelande (1864), „Geolog. Beobachtungen während der Novarareise » (1866). Seit seiner Rückkehr von der Novara-Expedition hat H. noch mehrmals wissenschaftliche Reisen unternommen, so 1863 nach der Schweiz und Italien, 1869 nach der europ. Türkei (Reise durch Rumelien v, in den 4Mitteilungen » der Geographischen Gesellschaft in Wien, 1870—71, und „Die geolog. Verhältnisse des östl. Teils der europ. Türkeiv, mit ö eolog. Karten, im „Jahrbucho der Geologischen eichsanstalt, 1871 u. 1872), 1872 nach Rußland und dem Ural (4Über den Uralv, Berl. 1873 Asien, seine Zukunftsbahnen und Kohlenschätze v, Wien 1876). Auch publizierte H. weitverbreitete Hilfs⸗ und Lehrbücher der Mineralogie und Geologie (Geolog. Bilderv, Eßlingen 1875; Die Erdeß, rag 1875 u. s. w.). Seit 1870 war H. wirkliches titglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 1866 —82 Präsident der Geographischen Gesellschaft in Wien, die ihn bei seinem Rücktritt zum Ehrenpräsidenten ernannte; 1874 wurde er zum Hofrat und 1876 zum Intendanten des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums ernannt; 1877 übernahm H. gleichzeitig die Direktion des Hofmineralienkabinetts und der anthropol.⸗ethnogr. Hofsammlung, die als seine Schöpfung zu betrachten ist; 1881 trat H. von seinem Lehramte an der k. k. technischen Hochschule een⸗ Er starb 18. Juli 1884 in Oberdöbling bei ien. H.s letzte wissenschaftliche Publikationen geuurn ganz dem Gebiet der prähistor. Wissenschaft, r die er seit 1878 als Obmann der prähistor. Kommission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften wirkte, und dem Gebiet der Ethnologie an.