Hofer (Andr.), Sandwirt im Passeyrthale bei Meran, Oberkommandant von Tirol 1809, war 22. Nov. 1767 in dem Wirtshause, am Sande genannt, zu St. Leonard im Passeyrthale geboren und handelte, nachdem er die Wirtschaft selbst übernommen, mit Wein und Pferden nach Italien. Schon 1796 führte er eine tiroler Schützenkompagnie gegen die Franzosen am Gardasee; auch bei Errichtung der Landmiliz nach dem Luneviller Frieden zeigte er großen Eifer für die Wehrkraft Tirols. Auf Anordnung des Erzherzogs Johann entwarf 1809 Hormayr (s. d.) den Plan zur Wiedereroberung des Landes, den H.s Vertraute in Tirol mündlich bekannt machten. Der Aufstand gelang, und in drei Tagen (vom 11. bis zum 13. April) war fast das ganze Land genommen und Innsbruck besetzt. Dann erschien H. auf dem Brenner und lieferte beim Berge Isel 25. und 29. Mai 1809 den Bayern zwei Treffen, durch welche diese zur Räumung Tirols genötigt wurden. Bald darauf wurde auch der in Trient belagerte Graf von Leiningen von österr. Truppen und den Tirolern unter H. befreit. Schon war H. im Begriff, sich mit einer Schar an die Truppen anzuschließen, welche Klagenfurt wegnehmen und dadurch die Verbindung Tirols mit den innern Provinzen des Kaiserstaats herstellen sollten, als nach der Schlacht bei Wagram der Waffenstillstand von Znaim (12. Juli) eintrat, kraft dessen Tirol und Vorarlberg von den Ssterreichern geräumt werden mußten. Hierüber entstand unter dem verlassenen Volke anfänglich Entmutigung, während General Lefebvre 40000 Mann Franzosen, Bayern und Sachsen von verschiedenen Seiten in Tirol einrücken ließ. H. hatte sich anfangs in eine Höhle des Passeyrthals verborgen. Als aber Speckbacher, der Kapuziner Joachim Haspinger und Pet. Mayer an der Spitze des bewaffneten Volks die Verteidigung Tirols wieder aufnahmen und namentlich vom 3. bis 9. Aug. dem Feinde mehrere Niederlagen beibrachten, trat auch H. aus seiner Höhle hervor, und zwar jetzt als oberster Anführer des für seinen alten Herrn und für sein altes Recht aufgestandenen Tirol. Die Schlacht vom 13. Aug., wiederum am Berge Isel, vertrieb Lefebvre aus Tirol. H. führte nun die Militär⸗ und Civilverwaltung bis zum Frieden von Wien (14. Okt.). Als hierauf Erzherzog Johann die Tiroler zur Unterwerfung aufforderte und von allen Seiten feindliche Truppen in die Thäler einrückten, erklärte H. im November dem Vizekönig Eugen und dem bayr. Oberbefehls-Nach seine Unterwerfung, begann jedoch auf falsche achrichten von Siegen und dem Einmarsche Erzherzogs Johann hin die Feindseligkeiten aufs bunes Trotz mehrerer günstiger Gefechte mußte H.s Schar bald der Ubermacht unterliegen. Gern hätte man ihn gerettet, aber die Liebe zur Heimat erlaubte ihm nicht, die WawenM zur Flucht nach Osterreich anzunehmen. Zwei Monate lang hielt er sich unter Schnee und Eis in einer Alpenhütte im Passeyr verborgen, bis der Priester Donay, ehedem H.s Vertrauter, dem General Baraguay d'Hilliers den Namen dessen verriet, welcher H. in rn. Versteck mit Nahrung versah. Teils durch ersprechungen, teils durch Bedrohung mit dem Tode wurde dieser zum Geständnis gebracht und 20. Jan. 1810 H. nebst seiner Familie gefangen. Unter starker Bedeckung brachte man ihn nach Mantua, wo er 20. Febr. 1810 standrechtlich erschossen wurde. Er ging mutig dem Tode entgegen, duldete nicht, daß man ihm die Augen verband, und kommandierte selbst Feuerv. Für den Verlust des Vermögens wurde die Familie H. 1819 vom Kaiser entschädigt; auch wurde des bereits 1809 geadelten H. Adelsdiplom 26. Jan. 1818 zu Wien ausgefertigt. H.s Leiche wurde in der Nacht vom 8. zum 9. Jan. 1823 auf dem Friedhofe zu Mantua ausgegraben und 23. Febr. 1823 in der Hofkirche (Franziskanerkirche) zu Innsbruck neben dem Grabmale Kaiser Maximilians I. beigesetzt. Kaiser Franz ließ 7120 den Professor Schaller in Wien H.s Statue in Marmor fertigen, welche 1834 über dessen Grabe aufgestellt wurde. Vgl. Tirol und die Tirolerv (2 Bde., Lpz. 1845) Becker, Andreas H. und der Freiheitskampf in Tirolo (3 Bochn., Lpz. 1841—42), sowie die Biographien von Weber (Innsbr. 1852), Rapp (Innsbr. 1852) und Weidinger (3. Aufl., Lpz. 1861); Heigel, Andreas H.» (Münch. 1874). Immermann 1d in seinem «Trauerspiel in Tirob (1828) das Schicksal H.s dramatisch behandelt.