FeedIntercellularräume
HeilkundeBrockhaus 1882

Intercellularräume nennt man in der botan. Histologie alle diejenigen Zwischenräume, welche im Gewebeverband entweder dadurch entstehen, daß die einzelnen Zellen teilweise sich voneinander trennen, oder dadurch, daß einzelne Zellen oder Zellgruppen zerstört werden und so eine von den umgebenden Zellen eingeschlossene Lücke gebildet wird. Man unterscheidet nach der Entstehungsweise zwei Gruppen von J., die schizogenen und die lysigenen; die erstern entstehen beim Auseinanderweichen der Zellen, die letztern durch Zerstörung der Zellen durch Auflösung der Membran, Verschleimung derselben und ähnliche Umwandlungsprozesse. Die Gestalt der I., ebenso der Inhalt und somit auch die Funktion derselben können sehr verschiedenartig sein. Zwischen den großen Höhlungen im Innern mancher Stammorgane, wie z. B. der Bambusastengel, die ja auch nichts anderes als J. sind, bis zu den kleinsten, nur mit starker Vergrößerung wahrnehmbaren Kanälchen gibt es alle ÜUbergänge. Nach dem Inhalte unterscheidet man luftführende und sekretführende J.; die erstern sind viel häufiger als die letztern, fast in jedem Lralte Gewebe finden sich zahlreiche, mit Luft erfüllte J.; sie liegen in der Regel dort, wo die Zellen mit ihren Kanten früher zusammenschlossen, und stehen untereinander in Verbindung, sie bilden also ein zusammenhängendes System, das mit der umgebenden Luft durch die Spaltöffnungen kommunizieren kann. Die Funktion dieser Art von J. ist jedenfalls, die Durchlüftung der im Innern der Pflanze liegenden Gewebe zu ermöglichen, was für die Atmung sowohl als auch für die Transspiration von großer Wichtigkeit ist. Bei den Landpflanzen bilden diese Art von J. meist nur enge Kanäle, und nur in dem sog. Schwammparenchym der Blätter (s. Blatt) finden sich größere Lücken; bei den Wasserpflanzen dagegen, hauptsächlich bei den untergetauchten Teilen derselben, nehmen die J. ansehnliche Dimensionen ein, sie bilden hier gewissermaßen Luftreservoire, die ebenfalls für den Ernährungsprozeß von Bedeutung sind in manchen Fällen wohl auch zugleich als Schwimmorgane dienen. Die großen Hohlräume, die in vielen Stämmen durch Zerstörung des Marks entstehen, haben wohl kaum eine physiol. Bedeutung. Die sekretführenden J. teilt man nach ihrer Gestalt ein in Intercellularlücken und Intercellulargänge. Die erstern sind kurze, kugelige, ringsum von Zellen umschlossene Hohlräume, die mit Harz, Gummi, Ol oder dergleichen angefüllt sind; derartige drüsenartige Gebilde finden sich in den Familien der Myrtaceen, Diosmeen, Rutaceen u. a., wo sie die durchscheinenden Punkte in den Blättern bilden. Die Intercellulargänge sind lange Röhren, welche die Gewebe auf weite Strecken hin durchsetzen sie stehen oft miteinander durch Verzweigungen und Anastomosen in Verbindung. Je nach ihrem Inhalte unterscheidet man Harzgänge (s. d.), Gummigänge (s. d.), Milchsaftröhren, ölführende Gänge. Von den Intercellulargängen sind diejenigen Gänge oder Röhren entwickelungsgeschichtlich ver— schieden, die entweder aus einzelnen außerordentlich langgestreckten Zellen bestehen, wie die Milch— saftröhren der Euphorbiaceen, oder durch Fusion mehrerer Zellen gebildet werden, wobei die Querwände ähnlich wie in den Gefäßen (s. d.) resorbiert werden. Zu den auf diese Weise entstandenen Räumen gehören z. B. die reich verzweigten Milchsaftgänge vieler Kompositen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 631Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 9

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6