FeedHohnstein
ErdkundeBrockhaus 1882

Hohnstein, eine Grafschaft im nördl. Thüringen, im N. durch den Harz, im O. durch die Helme und untere Unstrut, im S. durch die obere Unstrut und obere Leine und im W. durch die untere Leine begrenzt, entstandaus dem Harz⸗, Zorge⸗ und Helmegau. Im J. 1130 lebte ein Graf Konrad, der sich nach der Burg Hohnstein nannte, deren Ruine im hannov. Amte Neustadt liegt. Ihn beerbte ein Graf von Bielstein, dessen Sohn Ilger I. sich nun Gra von H. nannte. Von seinen Nachkommen wurden nach und nach die umliegenden dynastischen Herrschaften Lohra, Klettenberg, Heringen, Kelbra, Scharzfels, Lauterberg und endlich auch die Stifter Ilefeld und Walkenried erworben. Heinrich VI. und Dietrich V. stifteten 1350 die Linien H.⸗Klettenberg und H.⸗Heldrungen. Die letztere teilte sich abermals in die Zweige Heringen, bei dessen Aussterben 1439 3414 ganzes Besitztum, die Goldene Aue, an Stolberg und Schwarzburg gedieh, und Kelbra, welcher 1480 seine Stammüter, die Herrschaft Heldrungen, an Mansfeld äuflich überließ, dagegen aber in der Mark Brandenburg die Herrschaft Vierraden erwarb und sich von nun an danach nannte. Der letzte dieses Zweigs und des ganzen hohnsteinschen Geschlechts war Graf Wilhelm II., gest. 1609. Die Linie H.⸗ Klettenberg war bereits 1593 mit dem Grafen Ernst VII. erloschen; um ihren Nachlaß hatten, da die andere Hauptlinie nicht zur gesamten Hand beliehen war, Herzog Julius von Braunschweig, der Bischof von Halberstadt als Lehnsherr und die Grafen Christoph von Stolberg und Günther von Schwarzburg, welche beide sich auf ihre 1433 mit H. abgeschlossene Erbverbrüderung stützten, einen langwierigen Streit erhoben. Derselbe dauerte noch fort, als der Dreißigjährige Krieg ausbrach, in welchem die alte Stammburg H. 1636 von dem sächs. Hauptmann Vitzthum von Eckstädt zerstört wurde. Endlich kamen durch den Westfälischen Herichä zugleich mit dem Bistum Halberstadt, die errschaften Lohra und Klettenberg an Brandenburg, welches dieselben 1649—1702 an die Grafen von Wittgenstein verlieh. Das eigentliche H. blieb bei dem Hause Braunschweig. Gegenwärtig steht die ganze Grafschaft H. unter preuß. Hoheit mit Ausnahme des ehemaligen Stifts Walkenried, das zu Braunschweig gehört.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 327Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6