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GeschichteBrockhaus 1882

Holland wird im weitern Sinne oft die frühere Republik der sieben vereinigten Provinzen und das egenwärtige Königreich der Niederlande genannt. m engern Sinne aber versteht man darunter die zwei nordwestlichsten Provinzen (Nordholland und Südholland) dieses Königreichs, welche im W. und N. an die Nordsee, im O. an die Zuydersee und die Provinzen Utrecht und Gelderland, im S. an die Provinz Nordbrabant und Seeland grenzen und fast ganz dem Umfange der alten Grafschaft H. entsprechen. Dieselben zählen zusammen auf einem Areal von 5791,4 àkm (1882) 1 584587 CE. und bilden den bevölkertsten, reichsten und blühendsten Bestandteil des Königreichs. Zum Teil tiefer als der Meeresspiegel gelegen, ist das Land völlig flach und nur durch die Dünen, sowie durch kostbare Deiche gegen Überschwemmung des Meers geschützt, mit zahlreichen, zum Teil trocken gelegten Seen (wie das Harlemer Meer), mit Moor⸗ und Torfgründen, ausgedehnten Wiesen und Viehweiden, mit Ackerfeldern und Gärten bedeckt, von unzähligen Entwässerungs⸗ und z. B. dem großen holländ. Kanal zwischen Amsterdam und Helder, von kleinen Flüssen und mehrern Mündungsarmen des Rheins und der Maas durchzogen. Das Klima ist feucht und veränderlich, doch für die Einwohner nicht ungesund. Der aufs sorgfältigste bestellte Boden trägt Getreide, besonders Weizen, Gerste und Hafer. Auch baut man Flachs, Hanf und Krapp, gewinnt Gemüse und andere Gartengewächse in überfluß. Gartensämereien, besonders el Bon und Tulpenzwiebeln, bilden Ausfuhrartikel. Von größerer Bedeutung aber ist infolge des vortrefflichen Wiesenwachses die Kabebereit verbunden mit großartiger Butter⸗ und Käsebereitung. Auch die Geflügelzucht ist nicht unerheblich. Hauptzweige der Industrie sind: Leinwandfabrikation, verbunden mit ausgezeichneten Bleichen, berühmte Tau⸗ und + . Baumwoll⸗, Kammgarn-und Flachsspinnerei, Wollweberei, Ranter-und Tavatfa Zucker⸗ und Sirup⸗, Ol⸗, Papier⸗ und Tabakfabrikation, Genever- oder Kornbranntweinbrennerei (besonders in und um Schiedam), Wachs⸗, Kautschuk⸗, Thonwarendalzsiederei und Ziegelbrennerei, Diamantenschleiferei, Eisengießerei und Maschinenbau, besonders aber auch Derochue Dazu kommt bedeutende Fischerei, das Trocknen und Räuchern von Fischen, ausgedehnte Reederei und der lebhafteste und einträglichste Handel. H. besitzt unter allen niederländ. Provinzen die größten und reichsten Städte, die besuchtesten Häfen, die bedeutendsten Anstalten, Sammlungen und Gesellschaften zur Förderung und Belebung der geistigen Kultur, der Wissenschaften und Künste. Nordholland, wovon der nordöstl. Teil in frühern Zeiten auch Euchdrrge land genannt wurde, hat mit den zugehörigen Inseln + Vlieland und Texel in der Nordsee, Marken, Wieringen in der Zuydersee und einigen kleinern ein Areal von 2769,3 akm mit (1882) 732 692 C. und zerfällt in die nach ihren uptstädten benannten 2 Poslanont Harem, Hoorn und Alkmaar. Südholland hat mit den zwischen den Maasmündungen gelegenen Inseln 5 elmonde, Voorne, Beijerland und Overflakkee einen Flächenraum von 3021,6 àkm mit 851 895 E. und zerfällt in die Bezirke von Haag, Leiden, Rotterdam, Dordrecht, Gorkum und Brielle. H. war in den ältesten 61 im Süden von Batavern, im Norden von — bevölkert. Unter den Merowingern und Karolingern oise es zu Friesland, kam 843 an das Reich des Kaisers Lo-Rei I., 870 aber an das Ostfränkische (deutsche) eich. Das Land wurde durch Grafen regiert, unter denen die von Vlaardingen (Masaland, Marsum) großes Ansehen gewannen, ihre Herrschaft immer weiter ausdehnten, besonders über das fries. Nordholland, bis sie zuletzt zu erblichen Herrschern von Lamn H. wurden. Erst unter dem Grafen Dirk III. ommt der Name der Grafschaft H. urkundlich vor. Letzterer bezeichnete ursprünglich nur die Gegend Nachrul. Lek und Merwede um Sliedrecht. Die achfolger Dirks III. erwarben im Laufe der Zeit Seeland und Teile von Westfriesland und starben 1299 aus. Das Land fiel nun durch Erbschaft an Johann II. von Avesnes und Grafen von Hennegau. In der Mitte des 14. Jahrh. entstanden große innere Unruhen, veranlaßt durch den Streit zwischen Margareta, der Gemahlin Kaiser Ludwigs des Bayern, welcher nach ihres Bruders, des Grafen Wilhelm IV., Tode das Land durch Erbschaft bidetenn war, und ihrem Sohne Wilhelm V. Es bildeten sich zwei Parteien, die Hoeks und die Kabeljaus, deren Streitigkeiten nicht eher aufhörten, als bis das Land, nach vielen Kämpfen um dessen Besitz, nach dem Sturze der letzten Erbin und Besitzerin desselben aus bayr. Stamme, der Gräfin Jacobäa, 1430 an Philipp den Gütigen von Bur- und fiel. Von nun an teilte es die Schicksale der lande) Lande. (S. Burgund und Niederande.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 332Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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