Hölderlin 0 Christian Friedr.), deutscher Dichter, geb. 20. März 1770 zu Lauffen im Württembergischen, studierte in Tübingen Theologie, lebte dann als Hauslehrer bei Charlotte von Kalb, der Freundin Schillers, welcher er von diesem empfohlen war, auf ihrem Gute Waltershausen bei Meiningen, dann in Jena und Weimar, wo er mit Schiller, Goethe und Herder in Verkehr trat. Schillers Versuche, ihn bleibend für Jena zu gewinnen, scheiterten. H. Übernahm dagegen, schon krankhaft verstimmt, in Frankfurt a. M. 1796 eine Stelle als Hauslehrer bei dem Kaufmann J. F. Gontard, faßte aber eine unglückliche Neigung zu der von ihm als Diotima vielfach gefeierten Mutter seiner Zöglinge, die, von gleicher Gefühlsschwärmerei hingerissen, seine Neigung begünstigte. Dieses Verhältnis mußte den krankhaften Widerspruch, in welchem sich H. zur Außenwelt befand, bis zum Außersten steigern und nährte in ihm jene gereizten Stimmungen, aus denen sich der noch in Frankfurt der Trennung von Diotima im 4⁵ 1798 bega sich H. nach Homburg vor der Höhe zu seinem Freunde Sinclair, dann nach der Schweiz und von da nach Bordeaux, wo er abermals eine Hauslehrerstelle annahm. Plötzlich erschien H. 1802 in Bettlertracht, ein unverkennbares Bild geistiger und körperlicher Zerrüttung, nachdem im Juni desselben Jahres Diotima gestorben war, in Deutschland, hatte jedoch, neben Anfällen von Wut und Raserei, 9900 seine lichten Momente, in denen er eine übersetzung des Sophokles unternahm, wovon zwei Stücke: die Antigoneß und König Odipusv (1800), erschienen sind. Nach einem vergeblichen Versuch, ihn als Bibliothekar in Homburg anzustellen, wurde er in eine hren als unheil aufgenommen, aber nach zwei Jahren als unheilbar wieder entlassen. Er lebte nun in Tübingen in dem Hause eines Tischlers, durch den höchsten Grad der Nervenzerrüttung zu einer zusammenhängenden Auffassung und Betrachtung der Dinge und Erscheinungen vollkommen unfähig, obschon fortdauernd beschäftigt, in der Form meist sehr regelrechte, dem Inhalte nach sinnlose Oden niederzuschreiben. Er starb zu Tübingen 7. Juni 1843. Das Vollendetste, was H. geschaffen, sind seine „Lyrischen Gedichter (herausg. von G. Schwab und Uhland,‚ Stuttg. 1826; neue Ausg., Stuttg. 1843), die durch Glut der Phantasie, Formvollendung, Tiefe und Fülle der Gedanken und geniale Anschauung ihren Wert für immer behaupten werden. Großartig der Anlage nach, voll tiefer Gedanken und erhabener Kraft, die sich jedoch bis zum Krankluich und Gewaltsamen steigert, aber ohne künsterische Umgrenzung und in innerlichen chaotischen Seelenzuständen wühlend, erscheint sein Roman „Hyperion, oder der Eremit in Griechenlando (2Bde., Stuttg. 1797—99; 2. Aufl. 1822). Chr. Schwab 3 H.8 Sämtliche Werkes nebst Briefen und Leensbeschreibung (2 Bde., Stuttg. 1846), sowie dessen Ausgewählte Werkey (Stuttg. 1874) heraus. Vgl. Jung, 4H. und seine Werker (Stuttg. 1848); J. Klaiber, «H., Hegel und Schelling in ihren schwäb. Jugendjahrenv Stuttg.1877). In Tübingen wurde sein Denkmal (von Andersen in Dresden) 30. Juni 1881 enthüllt. In Homburg wurde ihm von dem dortigen Altertumsverein 28. Juli 1883 ein Denkmal gesetzt. Vgl. Kelchner, «Friedr. H. in seinen Beziehungen zu Homburgo (Homb. 1883).