FeedHolzschnitzerei
TechnikBrockhaus 1882

Holzschnitzerei ist im allgemeinen die Bezeichnung für alle aus Holz geschnitzten Arbeiten. Sie umfaßt also sowohl diejenige Industrie, welche mittels des Schnitzmessers hergestellte gröbere Arbeiten liefert, wie Holzschuhe, Schaufeln, Rechen, Heugabeln, Mulden, Tröge, Teller, Löffel u. s. w. (s. unter Holzwaren), als auch kunstvolle Gegenstände, namentlich Verzierungen auf Tischlerarbeiten, wie Dnleuchterm Arabesken, Rosetten, Arm⸗ und Kronleuchter, Uhrkästen u. s. w. Zu dieser letztern Art der H. (auch Holzbildhauerei oder rrten Holtervo eignen sich am besten die mittelharten Hölzer von feinem gleichförmigen Gefüge, weil sie sich leicht und nach jeder Richtung fast gleich gut schneiden lassen, auch an dünnen Rändern nicht zu sehr dem Ausbröckeln unterworfen sind. Zu denselben gehört vor allem das Lindenholz, ferner Birnbaum⸗, Apfelbaum⸗, Nußbaum- und Pflaumenbaumholz, während Eichenholz, das seiner Härte wegen schwer zu bearbeiten ist, meist da gewählt wird, wo es auf Dauerhaftigkeit, auch gegen Witterungseinflüsse, ankommt. Zu kleinern und feinern Sachen dient Cedern⸗ und Ebenholz. Der Holzbildhauer arbeitet mit Eisen von verschiedener Form und Größe und mit Raspeln. Zunächst werden in der Regel größere, mittels eines Schlägels einzutreibende Eisen angewendet, um die Gegenstände aus dem Groben zu arbeiten (Poussieren). Dann folgt das Feinschneiden mit kleinern Eisen, welche nur mit der Hand geführt werden. Große Oberflächen werden mit Raspeln nachgearbeitet. Schließlich werden die Gegenstände durch Reiben (Schleifen) mit Schachtelhalm oder Glaspapier geglättet. Durch die große Vorliebe für die Renaissance wird in neuester Zeit die für jene Kunstperiode charakteristische Verzierung der Möbel mit Schnitzwerk aufs neue eifrig gepflegt. Das Bestreben, auch hier die mühsame und daher kostspielige Handarbeit durch fabrikmäßige Herstellung zu ersetzen, hat zu den verschiedensten Ver21560 geführt, bei denen teils die Leistungen der echanik, teils die der Chemie zu Hilfe genommen wurden. Neuerlich kommen häufig Maschinen zur Anwendung, um ornamentales Schnitzwerk im Großen herzustellen. Dieselben sind mit Fräsen versehene Kopiermaschinen, die nach einem hölzernen oder metallenen Modell arbeiten. Mittels er-Mesun vertieft gravierter Formen aus gegossenem Messing hat man flache Reliefs auf Holz gepreßt. Reliefs von bedeutender Höhe erhielt man mittels glühender Metallformen, wobei die für die Erzeugung von Vertiefungen zu entfernenden Holzteile in leicht ablösbare Kohle verwandelt wurden. Plastische Ornamente auf Fournieren werden zwischen zwei erwärmten Metallplatten hergestellt, von denen die eine vertieft graviert, die andere mit entsprechenden Erhöhungen versehen ist. Um den Widerstand zu vermeiden, den die Langfaser des Holzes dem vollkommenen Abdruck entgegensetzt, sind von den Amerikanern Versuche mit gestanzten Hirnholzplatten gemacht worden; doch boten dieselben schon insofern keinen Ersatz für die Schnitzerei, als die Struktur des Hirnholzes (Holz im Querschnitt gesehen) die Schönheit des Ornaments beeinträchtigt und durch die Berührung mit Flüssigkeiten, Lack, Politur u. s. w., die niedergedrückte Hirnholzfaser sich aufrichtet, wodurch die Oberfläche rauh und unansehnlich wird. Überdies dlieben alle solche Versuche notwendigerweise auf die Herstellung kleiner, wenig erhabener, nicht durchbrochener Verzierungen beschränkt. Ausgedehntere Anwendung fand das nach dem Franzosen Boucherie mit verdünnter Salzsäure imprägnierte und in Formen gepreßte Holz, doch war auch bei dieser Methode der Erfolg ein mangelhafter zu nennen. Ein in hohem Grade bildsames Material zur Imitation der H. bot sich in dem IN Bois durci I. d.), sowie in dem eigentlichen Kunstholz (s. Holz, künstliches). Wenn auch keine Art der ½ sung den vollendeten Schöpfungen der Holzbildhauerkunst nahe zu kommen vermag, so können doch die so hergestellten Ornamente, nach stilvoll entworfenen, präcis gearbeiteten Modellen sorgfältig ausgeführt, dazu beitragen, die kunst⸗ und geschmacklosen Schnitzereien zu verdrängen, durch welche eine spekulative Industrie der Mode huldigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 360Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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